Regionalgeschichte mit Schwerpunkt Schleswig-Holstein

Winterschule: Stiftungen und Stiften im Wandel der Zeiten

Winterschule in Greifswald vom 09. bis 14. Februar 2015


Tagungsleitung:

Prof. Dr. Oliver Auge (Christian-Albrechts-Universität, Kiel)
Prof. Dr. Thomas Adam (University of Texas, Arlington, Tx)

 

Von der Antike bis in die Gegenwart haben sich Menschen mit umfangreichen finanziellen Ressourcen immer wieder als Stifter betätigt. Am Anfang stand Stiften und die Errichtung von Stiftungen im engen Zusammenhang mit kultischen und religiösen Akten. Im nachreformatorischen Europa zeichnete sich dann eine allmähliche Ablösung des Stiftens von der Religion ab. Waren Stiftungen bisher zumeist Religionsgemeinschaften anvertraut worden, kam es nun auch zur Errichtung von säkularen ausserhalb der Kirche angesiedelten Stiftungen. Stiften war dabei nie ein Verhalten, das nur Männern vorbehalten war. Frauen spielten als Stifterinnen vor allem im Sozialbereich eine Rolle. Und Stiften war nicht nur ein der christlichen Religion innewohnendes Verhaltensmuster, sondern entwickelte sich auch innerhalb des jüdischen und islamischen Glaubens. Stiften war und ist demnach ein universales Phänomen. Die Motivation zum Stiften wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte, und religiöse auf das Seelenheil gerichtete Gründe wurden zum Teil auch durch statussichernde oder statuserringende Motivationen begleitet oder ersetzt. In den modernen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts, in denen soziale Gruppen und Klassen die alte Ordnung der Stände verdrängten, spielte Stiften eine wichtige Funktion in der Schaffung sozialer Distinktion und der Begründung von Macht vor allem in den Städten.

Seit den 1990er Jahren hat die Erforschung dieses Stiftungswesens einen großen Aufschwung genommen. Historiker aus verschiedenen Traditionen wie der Bürgertumsforschung, der Armutsforschung, der Mittelalter- und Frühneuzeitforschung, der Stadtgeschichtsforschung, der Bildungsforschung und der Erforschung der jüdischen Geschichte haben sich von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Ansätzen diesem bis dahin von der Geschichtswissenschaft, mit Ausnahme vielleicht der Rechtsgeschichte, vernachlässigten Phänomen angenähert.

Ziel der Winterschule ist es, Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen und künftigen Lehrern einen Überblick über die Entwicklung des Stiftungswesens von der Antike bis in die Gegenwart und die hierzu laufenden Forschungsbemühungen zu vermitteln. Denn obwohl wir umfangreiches Spezialwissen zur Geschichte des Stiftens angehäuft haben, werden diese Forschungen bisher kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Stiften und Stiftungen sind kein Bestandteil der Schullehrpläne, und auch in Lehrveranstaltungen zur Geschichte an Universitäten spielen sie nur eine marginale Rolle. Dies ist besonders misslich, da an sich jede Universitätsgeschichte mit Stiftungsgeschichte verbunden ist, sich die jeweilige Universitätsgeschichte mithin sehr gut über die betreffenden Stiftungen und Stifter beleuchten lässt. Der stets mögliche Lokalbezug wäre jeweils ein großer Vorteil bei der Wissensvermittlung. Forschungen zum Stiftungswesen haben bisher auch kaum die Gesamtinterpretation der deutschen Geschichte beeinflusst. Auch wenn sich Forscher, die über Stiften arbeiten, darüber einig sind, dass Stiften ein wesentliches bürgerliches Verhaltensmuster war und Bürgern die Möglichkeit gab, die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen unabhängig von staatlicher Beeinflussung oder auch im Konflikt mit dem Staat zu formen, so hat dieses Wissen bisher nicht allgemeine historische Darstellungen beeinflusst. Diese Winterschule ist nicht erstrangig für Studierende gedacht, die über dieses Thema wissenschaftlich arbeiten oder zu arbeiten gedenken. Es soll vielmehr der nächsten Generation von Historikern und Geschichtslehrenden ein Einblick in diese neue Interpretationsmöglichkeit der Geschichte vermittelt werden und die Teilnehmer auf die Behandlung dieses Themas in ihren Lehrveranstaltungen vorbereiten.

 

Tagungsort

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg, Greifswald

 

gewünschte Teilnehmerzahl

ca. 35 Studierende, Examenskandidaten und Doktoranden

 

Information und Anmeldung


weitere Informationen zur Anmeldung finden Sie demnächst an dieser Stelle

 

Vorläufiges Tagungsprogramm


Montag, 09. Februar 2015

Nachmittag
Anreise bis 18 Uhr

öffentlicher Abendvortrag
Stiftungen in der Weltgeschichte
Prof. Dr. Michael Borgolte (Humboldt-Universität, Berlin)

 


Dienstag, 10. Februar 2015
(Moderation: Prof. Dr. Thomas Adam)

09.00 - 09.45 Uhr
Impulsreferat: Stiften in der Antike
Prof. Dr. Sitta von Reden (Universität Freiburg)

09.45 - 10.30 Uhr
Diskussion

10.30 - 11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00 - 11.45 Uhr
Impulsreferat: Stiften in Greifswald
Prof. Dr. Oliver Auge (Universität Kiel)

11.45 - 12.30 Uhr
Diskussion

12.30 - 14.00 Uhr
Gemeinsames Mittagessen im Kolleg

14.00 - 17.00 Uhr
Besuch im Universitätsarchiv: Quellen zur Geschichte der Stiftungen an der Universität Greifswald
Dr. Dirk Alvermann (Direkt des Universitätsarchivs, Greifswald)

19.00 Uhr (Moderation: Prof. Dr. Oliver Auge)
Impulsreferat: Stiftungen im Islam
Dr. Franz Kogelmann (Universität Bayreuth)


Mittwoch, 11. Februar 2015
(Moderation: Prof. Dr. Thomas Adam)

ganztägig
Exkursion zur Königin Luise Stiftung und Besuch am Maecenata Institut in Berlin
Leitung: Marcel Piethe (Leiter der Königin-Luise-Stiftung, Berlin) und Dr. Rupert Graf von Strachwitz (Geschäftsführer des Maecenata Instituts, Berlin)


Donnerstag, 12. Februar 2015
(Moderation: Dr. Bernhard Ebneth)

09.00 - 09.45 Uhr
Impulsreferat: Stiften im Nationalsozialismus
Dr. Michael Werner (Universität Gießen)

09.45 - 10.30 Uhr
Diskussion

10.30 - 11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00 - 11.45 Uhr
Impulsreferat: Jüdische Stiftungen
Prof. Dr. Thomas Adam (University of Texas, Arlington, Tx)

11.45 - 12.30 Uhr
Diskussion

12.30 - 14.00 Uhr
Gemeinsames Mittagessen im Kolleg

14.00 - 17.00 Uhr
Impulsreferat und anschließende Gruppenarbeit: Die Praxis der Bildungsförderung durch eine Stiftung heute: Das Beispiel des Kölner Gymnasial- und Studienfonds
Dr. Tanja Arendt (Kölner Gymnasial- und Studienfonds)


Freitag, 13. Februar 2015
(Moderation: Prof. Dr. Oliver Auge)

09.00 - 09.45 Uhr

Impulsreferat: Bürgerliches Stiften in der Frühen Neuzeit
Dr. Bernhard Ebneth (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften)

09.45 - 10.30 Uhr
Diskussion

10.30 - 11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00 - 11.45 Uhr
Impulsreferat: Stiften für Bildung: Die Studienförderung an deutschen und amerikanischen Universitäten von 1800 bis 1945 im Vergleich
Prof. Dr. Thomas Adam (University of Texas, Arlington, TX)

11.45 - 12.30 Uhr
Diskussion

12.30 - 14.00 Uhr
Gemeinsames Mittagessen im Kolleg

14.00 - 17.00 Uhr
moderierte Gruppenarbeit: Stiften und Stiftungen im Geschichtsunterricht und Universitäten und Schulen

 

Samstag, 14. Februar 2015

Nachmittag
Abreise