Promotionsprojekte

Mittelalter – Domänenspezifisches Professionswissen von Lehrkräften und lehramtsbezogene Studienangebote im BA/MA of Education (Geschichte) der CAU Kiel (Burghard Barte)

Verortet im Professionalisierungsdiskurs angehender Geschichtslehrpersonen und dem innerhalb dessen vorgenommenen Zuschnitt auf das Fachwissen, widmet sich das Dissertationsprojekt der empirischen Erforschung der Begriffsbildung respektive Konzeptentwicklung. Diese erfolgt explorativ in einem Prä-Posttest-Design in realen Lerngruppen. Als Erhebungsinstrumente dienen in dem qualitativ ausgerichteten, triangulierenden Zugang das Concept Mapping, das leitfadengestützte Interview sowie die fokussierte teilnehmende Beobachtung. Methodologisch orientiert sich die Studie an der konstruktivistischen Grounded-Theory. So werden mit Blick auf das auswertungspraktische Vorgehen die Datensätze aller drei Erhebungsformate in einem iterativen Prozess codiert und wechselseitig aufeinander. Zielsetzung des Projekts ist die Entwicklung einer gegenstandbezogenen Theorie zur Wissensorganisation und darin die weitere Ausleuchtung der Kompetenzfacette des Fachwissens angehender Geschichtslehrpersonen.
(Ein CAU-LiB Projekt in Kooperation mit Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Fouquet.) http://www.qualitaetsoffensive-lehrerbildung.uni-kiel.de/de/lehramt-in-bewegung

Betreuung: Prof. Dr. Sebastian Barsch

Seit Dezember 2019 ist Burghard Barte wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für die Didaktik der Geschichte an der Universität Passau. Nähere Informationen zu Burghard Barte sowie die Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Universität Passau.

Historisches Urteilen zwischen Vergangenheit und Gegenwart? (Silja Leinung)

Bereits im Zuge der Entstehung der Geschichtsdidaktik als eigener Disziplin erfolgte die Zielformulierung von Schüler*innenurteilen im Geschichtsunterricht. Als Karl‑Ernst Jeismann das Geschichtsbewusstsein als Kategorie der Geschichtsdidaktik vorschlug, konkretisierte er dieses anhand der zwar methodisch unterscheidbaren aber weiterhin miteinander in Wechselbeziehung stehenden Operationen der Analyse, des Sachurteils und der Wertung, welche auch den Geschichtsunterricht sequenzieren sollen. Diese Trias der Urteilsbildung hat sich bis heute in der Geschichtsdidaktik gehalten und findet sich in Konzeptionen des historischen Denkens/Lernens und historischer Kompetenzen wieder. Dabei wurde der Nutzen der theoretisch begründeten methodischen Trennung von Sach- und Werturteil bisher nicht explizit empirisch überprüft, obwohl sie die Gefahr birgt, „einen glauben [zu machen], dass es möglich sei, Sach‑ und Wertaussagen im Text tatsächlich zu unterscheiden“ (Becker 2011, 247) und die Wertfreiheit von historischen Sachaussagen aus konstruktivistischer und narrativistischer Perspektive nur bedingt haltbar erscheint. Bisherige empirische Untersuchungen zu Geschichtsbewusstsein, Multiperspektivität und Schüler*innenleistung deuten allerdings auf eine Problematik bzgl. der Sach- und Werturteilsbildung hin. Davon ausgehend stellt sich dieses Forschungsprojekt den Fragen, inwiefern die Trennung von Sach- und Werturteil sich in den historischen Urteilen der Schüler*innen wiederfinden und daraus folgernd inwiefern diese methodische Unterscheidung den Schüler*innen das historische Urteilen erleichtern kann.

Betreuung: Prof. Dr. Sebastian Barsch

"Fragen. Fragen, die nach einer Antwort verlangen." Eine qualitative Studie zur Entwicklung eines Kompetenzrasters zur historischen Fragekompetenz (Horst Schilling)

Im Rahmen des Promotionsprojektes werden historische Fragen der Lernenden erhoben. Diese werden mittels der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse in einem induktiv-deduktivem Vorgehen codiert und diese Codes graduiert, sodass am Ende als Hypothese eine Graduierungslogik zur historischen Fragekompetenz formuliert werden kann. Erhoben werden dabei Klassen der Jahrgänge 7-10 aus einer Gemeinschaftsschule und eines Gymnasiums.

Betreuung: Prof. Dr. Sebastian Barsch

Menschen mit geistigen Behinderungen als Akteure ihrer Geschichte: Teilhabeorientierte Praktiken einer Public Disability History (Jan-Christian Wilkening)

Seit einigen Jahren entwickelt sich die Disability History mehr und mehr zu einer allgemeinen Subdisziplin der Geschichtswissenschaften, nicht zuletzt auch beeinflusst durch gesellschaftliche Diskurse über den Umgang mit Behinderung. Durch die Bedeutung, die das Phänomen „Behinderung“ in der Gegenwart erlangt hat, wächst auch die Aufmerksamkeit gegenüber der Vergangenheit. Indem Forschungsergebnisse zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen über Ausstellungen, Bücher, Filme und letztlich auch Material für den Geschichtsunterricht ihren Weg in die Öffentlichkeit finden, wird aus einer Disability History in vielen Fällen eine Public Disability History. Public History steht generell vor der Herausforderung, das Verhältnis zwischen Wissenschaftsorientierung und Aktivismus auszuloten. Dieses Spannungsfeld tritt schon allein deswegen auf, da Public Historians dadurch, dass sie für eine weit gefasste Zielgruppe arbeiten, in gewisser Weise auch eine öffentliche Dienstleistung erbringen; diese zielt nicht nur auf die Reflexion der Vergangenheit, sondern auch auf eine Verbesserung der Gegenwart und Zukunft. Public History kann jedoch auch als Teilhabeprojekt verstanden werden, indem unterrepräsentierte Gruppen am Prozess der Geschichtsschreibung beteiligt werden können. Dieses von der DFG geförderte Projekt versucht, eine Public Disability History einerseits theoretisch zu modellieren, darüber hinaus aber die praktische Anwendung dieses Modells empirisch zu begleiten. Zielgruppe sind Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung.
Ausgangspunkt des Forschungsprojektes ist ein Modell einer Public Disability History, welches sowohl die politischen Forderungen der Behindertenrechtsbewegung, die aus einer Disability History als emanzipatorische Geschichte resultieren, berücksichtigt als auch die epistemologischen Herausforderungen einer derart normativen Forschung kenntlich macht. Auf Basis dieses Modells soll eine Geschichtswerkstatt konzipiert werden, in der Menschen mit geistiger Behinderung entsprechend des Leitmotivs der Behindertenrechtsbewegung “Nichts über uns, ohne uns” eine Ausstellung zur Geschichte von Menschen machen, die dieser Gruppe in der Vergangenheit zugeordnet wurden. Methodisch wird dabei ein partizipativer Ansatz verfolgt, bei dem die Erstellung von Ausstellungstexten in Leichter Sprache ein zentraler Aspekt ist. Die Arbeit der Geschichtswerkstatt soll ethnografisch begleitet werden, die Gestaltung der Ausstellungstexte hinsichtlich ihrer inhaltlichen Verständlichkeit soll im Rahmen der Ausstellung bei heterogenen Besuchergruppen erfasst werden. Forschungsfragen sind:
•    Welche historischen Aushandlungsprozesse vollziehen Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung bei der Rekonstruktion von Geschichte mit Hilfe adressatengerechter Sprache?
•    Welche historischen Sinnbildungsprozesse werden durch Texte in Leichter Sprache bei behinderten und nichtbehinderten Rezipient:innen angeregt?

Betreuung: Prof. Dr. Sebastian Barsch

Die Entwicklung einer Unterrichtsreihe zum antiken Rom. Eine Design-Based Research Arbeit im gymnasialen Geschichtsunterricht der sechsten Jahrgangsstufe (Henning Host)

Projektbeschreibung

Im Rahmen des Dissertationsvorhabens wird eine Unterrichtsreihe der fünften bzw. sechsten Jahrgangsstufe im Sinne von Design-Based Research als entwicklungsorientierte Forschung unter Berücksichtigung medien- und geschichtsdidaktischer Kriterien konzipiert, implementiert und systematisch entwickelt. Das Vorhaben basiert strukturell auf dem vier-phasigen research circle nach Herrington, McKeeney, Reeves und Oliver. Auf diese Weise werden der Prozess der Konzeption, Implementierung und Entwicklung als Teil von Forschung begriffen und systematisch mithilfe von Methoden empirischer Sozialforschung begleitet und erfasst. Praxis-Entwicklung und Erforschung gehen hier Hand in Hand. Die Materialien werden als offene Bildungsmaterialien lizenziert.

 

Weitere Informationen

henninghost.de

Host, H. (2020). Design-Based Research in der geschichtsdidaktischen Professionalisierungsforschung - Geschichtsdidaktik empirisch 20: Geschichtsdidaktisch intervenieren - Zentrum für Demokratie Aarau, 03.-04. September 2020, Basel. (ausgefallen aufgrund Covid-19; Abstract: https://henninghost.de/wp-content/uploads/2021/05/2020-03-30-Host-Henning_Design-Based-Research-in-der-geschichtsdidaktischen-Professionalisierungsforschung-2.pdf)

Host, H. (2021). Design-Based Research in der geschichtsdidaktischen Professionalisierungsforschung. Ein Beispiel im gymnasialen Geschichtsunterricht der sechsten Jahrgangsstufe. In S. Barsch & B. Barte (Hrsg.), Motivation - Kognition - Reflexion: Schlaglichter auf Professionalisierungsprozesse in der Aus- und Fortbildung von Geschichtslehrpersonen. Schwalbach/Ts.: Wochenschau.

 

Erstbetreuerin: Prof.in Dr.in Sandra Hofhues (Lehrgebiet Mediendidaktik, FernUniversität in Hagen)

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Sebastian Barsch (Professur für Geschichtsdidaktik, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

 

Kurz-Vita

Henning Host ist Studienrat für die Fächer Geschichte und Englisch. Er arbeitete bis 2018 am Zentrum für LehrerInnenbildung an der Universität zu Köln. Henning Host promoviert zu einem Design-Based Research Projekt in der Medien- und Geschichtsdidaktik.