Raphael Rössel

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

R. 120
Telefon: +49 431 880-1842
roessel@histosem.uni-kiel.de

Sprechstunde: nach Vereinbarung per E-Mail, auch als Videokonferenz oder telefonisch möglich

Lebenslauf

Seit 2018: Wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt: ,Behinderte‘ Familien? Aufgabenverteilung und Rollenzuweisungen im Alltag westdeutscher Familien mit behinderten Angehörigen zwischen 1945 und den 1980er Jahren

2017-2018: Mitarbeiter an der Professur für Geschichte der Neuzeit am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

2014-2017: Masterstudium der Fächer Geschichte und Englisch, sowie seit 2015 des MA-Studiengangs English and American Literatures, Cultures and Media an der Universität Kiel (Abschlüsse: M.Ed., M.A.)

2015: Teilnahme an interdisziplinärer MA-Summer University der Universität Aarhus, DK: Fictionality beyond Fiction

2014-2017: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, u.a. im DFG-Projekt: Menschen mit Behinderung in Deutschland nach 1945. Selbstbestimmung und Partizipation im deutsch-deutschen Vergleich: Ein Beitrag zur Disability History

2013-2014: Gaststudium der Fächer amerikanische Geschichte und Englisch sowie Lehrassistenz am Lycoming College, Williamsport, PA, USA als PROMOS-Stipendiat der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

2010-2013: Bachelor-Studium der Geschichte und Anglistik/Nordamerikanistik an der Universität Kiel (Abschluss: BA)

Forschungsschwerpunkte

  • Disability History
  • Alltagsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland
  • Familiengeschichte nach 1945
  • Zeitgeschichte häuslicher Pflege / Care History

Promotionsprojekt

,Behinderte‘ Familien? Aufgabenverteilung und Rollenzuweisungen im Alltag westdeutscher Familien mit behinderten Angehörigen zwischen 1945 und den 1980er Jahren

Die Zeitgeschichte von Familien mit behinderten Angehörigen ist bisher noch nicht untersucht worden. Um diese Forschungslücke zu füllen, wird unter heuristischem Rückgriff auf Ansätze und Forschungsergebnisse der Disability History, der Familiengeschichte und der Care History am bundesrepublikanischen Fallbeispiel die Spezifik der Konstellationen von Familien mit behinderten Angehörigen, genauer: mit behinderten Kindern und Jugendlichen, historisch analysiert. Im Zentrum des Dissertationsprojekts stehen die alltäglichen Rollenzuweisungen und die Aushandlungsprozesse in Bezug auf Aufgabenverteilungen in den betroffenen Familien, mussten die behinderten und die nicht behinderten Familienangehörigen doch stets miteinander entscheiden, wer von ihnen welche Aufgaben in der familiären Reproduktions- und in der Sorgearbeit zu übernehmen hatte. Diese Aufgaben und Rollen waren insofern spezifisch, als insbesondere die Bewältigung von behinderungsgenerierten Barrieren oder von Folgen gesellschaftlicher Diskriminierungen im Alltag zu bewerkstelligen war. Untersucht werden in diesem Zusammenhang die Konfliktaustragungsmechanismen, Machthierarchien und Identitätskonstruktionen innerhalb der betroffenen Familien. Der Wandel der innerfamiliären Aushandlungsprozesse wird vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen analysiert, die den familiären Alltag beeinflussten. Gefragt wird danach, wie gesamtgesellschaftliche Veränderungen in Hinblick auf Familienkonzeptionen und -strukturen, auf Geschlechterbilder, auf die Sozial-, Familien- und Rehabilitationspolitik sowie der Wandel der gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderungen von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre in die betroffenen Familien hineinwirkten und dort zu stets neuen Aushandlungsprozessen führten. Einer zentralen Forderung der Disability History nachkommend, werden mit dieser Fragestellung Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen nicht nur als Objekte beispielsweise sozialpolitischen Handelns, sondern als Subjekte ihrer Geschichte wahrgenommen.

Publikationen

Aufsätze

Quellen für alle und von allen? Potentiale einer wissenschaftlich reflektierten Public Disability History für schulische und universitäre Lehre am Beispiel der „Quellen zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen“ (QGMB), in: Cordula Nolte (Hg.): Dis/ability History Goes Public. Praktiken und Perspektiven der Wissensvermittlung, Bielefeld 2020, S. 183-209.

Familien in der Kieler Kriegsopferfürsorge. Geschlechtervorstellungen in der kommunalen Antragspraxis von der Besatzungszeit bis in die 1970er Jahre, in: Britta-Marie Schenk (Hg.): Im Gefolge des Wohlfahrtsstaates. 100 Jahre Kieler Kriegsopferfürsorgestelle, Husum 2020, S. 61-76.

Pflege als Alltagsphänomen. Familien behinderter Kinder in der Bundesrepublik und DDR, in: Deutschland Archiv Online, 03.12.2019 (zusammen mit Pia Schmüser). Zum Text gedruckt erschienen in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Deutschland Archiv 2019, Bonn 2020, S. 121-129. Zum Band

Das Lesen der Schundkämpfer. Moralpaniken als strategische Deutungen populärer Literatur am Beispiel der Kontroverse um Nick Carter (1906–1913). In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 44 (2019), Heft 1, S. 39-65.Zum Text

A Source Edition of the History of People with Disabilities in Germany after 1945. A contribution to Public Disability History. In: Public Disability History 3 (2018) 8 (gemeinsam mit Bertold Scharf).

Rezensionen

Marion Schmidt / Anja Werner (Hrsg.): Zwischen Fremdbestimmung und Autonomie. Neue Impulse zur Gehörlosengeschichte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Bielefeld 2019, in: H-Soz-Kult, 16.10.2020. Zum Text

Lahoda, Karin: Arbeitsalltag in Werkstätten für behinderte Menschen. Zur Bedeutung von Arbeit, sozialen Interaktionen und rechtlichen Rahmenbedingungen, Münster/New York 2018. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, erschienen am 23.04.2019, https://doi.org/10.1515/iasl-2019-0003. Zum Text

Tagungsberichte

Tagungsbericht: Dis/ability – Alltag – Geschlecht. Erkundungen im Feld der interdisziplinären Dis/ability History, Historikertag 2018, Münster, 26.09.2018. Zum Text

Podium: Geschichte – Sport – Inklusion, in: Special Olympics Deutschland Akademie (Hg.): Kongress „Lebenswelten inklusiv gestalten“: Dokumentation, S. 24-25. Online verfügbar Zum Text (Zugriff:  28.06.2018) [Bericht zum Workshop: Geschichte – Sport – Inklusion im Rahmen der Special Olympics Deutschland Akademie – Kongress „Lebenswelten inklusiv gestalten“, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 15.05.2018.]

Quellenedition

Miterstellung der digitalen Quellensammlung „Quellen zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen (QGMB)“ Zur Quellensammlung

Vorträge

Vortrag: ,Behinderte‘ Familien? Aufgabenverteilung und Rollenzuweisungen im Alltag westdeutscher Familien mit behinderten Angehörigen zwischen 1945 und den 1980er Jahren, Institut für Zeitgeschichte (IfZ)-Oberseminar, München (per Videokonferenz), 9.7.2020.

Vortrag: „Das muß ertragen werden.“ Behinderungsnormalisierung als kernfamiliäres Erfolgsnarrativ im Zeitalter des Wertewandels, Kolloquium: Familie und Verwandtschaft. Historische und aktuelle Zugänge, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 09.1.2020.

Vortrag: The Scandal and Everyday Life: Contergan as a Caesura in the History of West German Family Care for Children with Disabilities, Achte Jahreskonferenz der European Society for Disability Research (ALTER), Universität Köln, 06.09.2019.

Paperdiskussion: Von der „Co-Therapie“ zur Deutungskonkurrenz. Konflikte und Kooperationen von medizinischen Expert_innen und Eltern bei der Begutachtung behinderter Kinder in Westdeutschland (1960er bis 1980er Jahre), Paperdiskussion im Rahmen des Workshops „Abnorme Persönlichkeiten“ im Netz der Institutionen. Die Beurteilung von abweichendem Verhalten in der DDR, der BRD und der Schweiz, 1960-1980, Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité Berlin, 13.06.2019.

Vortrag: Gendered Childhoods and Disabilities in West German Parental Discourse from the 1960s to 1980s, Vortrag im Rahmen der Fachkonferenz "Criptic Identities. Historicizing the identity formation of persons with disabilities across the globe", Leiden University, 21.03.2019.

Doctoral School: Caring for disability. Sechste Disability Mundus Doctoral School der European Society for Disability Research (ALTER), Teilnahme und Präsentation des Forschungsprojektes, Université Catholique de Lille, 01.-04.07.2018.

Vortrag: "Von Segregation, Teilhabe-Versprechungen und gebremster Liberalisierung. Reichweiten einer Alltagsgeschichte von Familien mit behinderten Kindern in Westdeutschland (1945-1989/90)", Vortrag auf dem Nordlichter-Treffen. Workshop für Nachwuchswissenschaftler*innen der Zeitgeschichte, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 20-21.04.2018.

Presse/Öffentlichkeit

Vorstellung der "Quellen zur Geschichte von Menschen mit Behinderungen (QGMB)" im Rahmen der Digitalen Woche Kiel, 11.09.2019.

Moderation und Organisation öffentlicher Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Catherine J. Kudlick (San Francisco State University), 26.06.2019, sowie Catherine J. Kudlicks öffentlichem „Kieler Woche“-Vortrag: „History of Activism and History as Activism: Lessons from US Disability Rights”, 27.06.2019.Bilder und Informationen

Öffentlicher Vortrag: „Behinderte“ Familien? Kinder mit Behinderungen und ihre Familien seit 1945. Gemeinsam mit Pia Schmüser, Holtenauer Spätschicht trifft Wissenschaft, 3.5.2019.

Workshop: Geschichte – Sport – Inklusion organisiert und durchgeführt, gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Barsch, Dr. Sebastian Schlund (CAU Kiel), Isabell Veronese, Horst-Alexander Finke, Laura Schwörer (Institut für Inklusive Bildung, Kiel) Moderation einer Podiumsdiskussion zum Thema "Geschichte – Sport – Inklusion" (gemeinsam mit Isabell Veronese, Institut für Inklusive Bildung), im Rahmen der Special Olympics Deutschland Akademie – Kongress „Lebenswelten inklusiv gestalten“, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 15.05.2018.

Lehre

Lehre 

Wintersemester 2020/21: Proseminar zur Geschichte der Neuzeit: Von Frontiersmen und True Women? Geschlechtergeschichte der USA im 19. Jahrhundert 

Wintersemester 2020/21: Übung im Methodikmodul: Geschichte von unten? Neuere Forschungsansätze zu den Lebenswelten der Vielen

Wintersemester 2018/19: Aufbauseminar zur Geschichte der Neuzeit: Familiengeschichte seit 1945.