Dr. Britta-Marie Schenk

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Leibnizstraße 8, R. 108
Telefon: +49 431 880-4023
Telefax: +49 431 880-1524
schenk@histosem.uni-kiel.de

Sprechstunde im Sommersemester 2020 per E-Mail vereinbaren, auch per Skype möglich

Lebenslauf

2018 und 2020: Forschungsaufenthalte am Deutschen Historischen Paris (Karl-Ferdinand-Werner-Fellowships)

2016: Promotion in Mittlerer und Neuerer Geschichte an der Universität Hamburg mit der Arbeit "Behinderung verhindern. Humangenetische Beratungspraxis in der Bundesrepublik der 1960er bis 1990er Jahre"

Ab 2015: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

2012: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

2010-2015: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität Hamburg

2004-2010: Studium der Geschichte sowie der Deutschen Sprache und Literatur an der Universität Hamburg

Forschungsschwerpunkte

Geschichte sozialer Ungleichheiten im 19. und 20. Jahrhundert
Disability History
Geschichte der Humangenetik und Eugenik
Animal History

Habilitationsprojekt

„Ohne Unterkunft? Eine Geschichte der Obdachlosigkeit und der Obdachlosen im 19. und 20. Jahrhundert“

Mit Obdachlosigkeit steht ein ubiquitäres Phänomen der Moderne im Mittelpunkt des Habilitationsprojekts. Es untersucht die Wechselwirkungen zwischen der Praxis der Obdachlosenfürsorge und dem Alltag der Obdachlosen während des 19. und 20. Jahrhunderts. Damit zielt das Vorhaben auf eine Geschichte sozialer Ungleichheit, die sowohl die Perspektive des Staates und privater Wohltätigkeit als auch die Obdachlosen selber einbezieht. Im Gegensatz zu bisherigen Studien, die entweder auf die kommunale bzw. staatliche Armenfürsorge oder auf die Aktivitäten einzelner Wohltätigkeitsorganisationen abzielen, wird das gesamte „System“ Obdachlosigkeit analysiert. Dies verspricht neue Erkenntnisse darüber, welchen Platz Obdachlose von einer Gesellschaft zugesprochen bekamen und wie die Betroffenen damit selber umgingen. Zudem wird Obdachlosigkeit nicht allein als Armutsphänomen betrachtet, vielmehr werden politische und infrastrukturelle Ursachen ebenso einbezogen wie das Phänomen, dass Obdachlosigkeit auch ein selbstgewähltes, freiwilliges Lebensmodell oder ein Lebensabschnitt sein kann. Dieser Ansatz wird an zwei Großstädten, zwei Städten mittlerer Größe und zwei ländlichen Regionen verfolgt. Damit wird Obdachlosigkeit als übergreifendem Phänomen Rechnung getragen, das nicht allein auf den urbanen Raum beschränkt ist. Gleichzeitig bietet der Dreiräume-Vergleich in einer Langzeitperspektive die Chance, Stadt-Land-Eigenlogiken und regionale Spezifika sowie Gemeinsamkeiten und Konvergenzen gleichermaßen erfassen zu können.

Das Habilitationsprojekt wird gefördert durch die Gerda-Henkel-Stiftung.

Gerda Henkel Stiftung

Weiteres Forschungsprojekt

Staatspolitik im Zoo. Chinas Pandageschenke und -leihgaben im Kalten Krieg

Große Pandabären zählen zu den Zoo-Attraktionen schlechthin, schließlich sind sie nicht bloß niedlich, sondern auch äußerst selten. Nur wenige von der chinesischen Regierung ausgewählte Zoos auf der Welt dürfen einen Pandabären beherbergen; in Europa sind das momentan gerade einmal neun Tiergärten. Chinas Panda-Monopol spielte seit Beginn des Kalten Krieges eine zentrale Rolle für die in dieser Phase intensivierten Beziehungen zu den europäischen Ländern. Die verschenkten, geliehenen, in einigen Fällen wieder zurückgeforderten Pandabären avancierten zu diplomatischen Objekten anhand derer geostrategische und wirtschaftliche Beziehungen im Kalten Krieg ausgehandelt wurden. Hier setzt das Projekt an und fragt in einem ersten Schritt nach den historischen, macht- und geostrategischen Voraussetzungen, Begleitumständen und Folgen der Panda-Diplomatie für die beteiligten Länder.
Die Pandageschenke beeinflussten aber nicht nur das jeweilige Verhältnis zu China, sondern auch die Beziehungen der beschenkten und leerausgegangenen europäischen Länder untereinander – was auf einer zweiten Ebene untersucht wird. Solche Konkurrenzverhältnisse tangierten nicht nur Politiker, auch Zoodirektoren kämpften um die Besucherattraktion Panda und kritisierten die Panda-besitzenden Tierparks für ihre angeblich nicht-artgerechte Unterbringung in dem jeweiligen Zoo.
Zudem veränderte sich die Binnenstruktur eines Zoos, wenn er Pandas beherbergte. Denn der Panda wurde nicht nur am Flughafen wie ein Staatsgast empfangen, sondern hatte auch im Zoo eine Vorzugsstellung inne. Inwiefern diese herausgehobene Stellung dem Zoo zum finanziellen Vorteil gereichte, eventuell aber auch Nachteile für die anderen Zootiere bedeutete, wird auf einer dritten lokalen bzw. glokalen Ebene untersucht. Hier stehen sowohl zoointerne Wandlungsprozesse im Mittelpunkt als auch die mediale Begleitung der Pandas von ihrer Ankunft über ihre Rolle als Zoo- und Touristenattraktion, ihre schwierige Reproduktion bis hin zu ihrem Tod – der mitunter sowohl für eine Art lokaler Trauer sorgte als auch stets ein Politikum darstellte. Insofern hat das Projekt eine globale, eine europäische sowie eine regionale Dimension.
Im Sinne einer neueren Diplomatiegeschichte, die sich nicht auf Außenpolitik reduzieren lässt und an der mehr Akteure partizipieren als nur staatliche Repräsentanten, werden Umweltschutzorganisationen wie der World Wildlife Fund (WWF), Zoodirektoren und die Medien in den Ankunftsländern einbezogen. Mithin wird der Weg der Pandabären in die europäischen Länder verfolgt, um ihre Doppelrolle als globales diplomatisches Objekt sowie als lokale Besucherattraktion zu erklären. Damit verbindet das Projekt eine diplomatiegeschichtliche Perspektive mit der Analyse von Tier-Mensch-Beziehungen.

Publikationen

Monographien

  • Behinderung verhindern. Humangenetische Beratungspraxis in der Bundesrepublik Deutschland (1960er bis 1990er Jahre), Frankfurt a.M./New York 2016. Zum Text
  • Das Theater der Zukunft? Theaterkritik und Reformvorstellungen des christlich-nationalen Bühnenvolksbundes in der Weimarer Republik (Kleine Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, Bd. 45), Berlin 2011. Ausgezeichnet mit dem Förderpreis 2010 der Gesellschaft für Theatergeschichte e.V.

 

Herausgaben

  • Im Gefolge des Wohlfahrtsstaates. 100 Jahre Kieler Kriegsopferfürsorge, Husum 2020.
  • Zeitgeschichte der Vorsorge. Themenheft. Zeithistorische Forschungen / Studies in Contemporary History 10 (2013) 3 (hg. zusammen mit Malte Thießen und Jan-Holger Kirsch).  

 

Aufsätze

  • Eugenik, in: Hartwig, Susanne (Hg.): Behinderung. Kulturwissenschaftliches Handbuch, Stuttgart (erscheint 2021).
  • "Mit 12 Jahren konnte sie noch kein Hemd bügeln." Zur erneuten Popularisierung von Geschlechterwissen in der humangenetischen Beratung der 1970er und 1980er Jahre, in: Gonzáles Athenas, Muriel/Schnicke, Falko (Hg.), Popularisierungen von Geschlechterwissen. (Vor-)Moderne Wissenstransfers (Historische Zeitschrift Beihefte, N.F. Bd. 79), Berlin/München 2020, S. 293-316 (erscheint im September 2020).
  • Obdachlose als Aussteiger? Handlungsmöglichkeiten von Obdachlosen im Deutschland des 20. Jahrhunderts, in: Terhoeven, Petra/Weidner, Tobias (Hg.): Exit. Ausstieg und Verweigerung in 'offenen' Gesellschaften nach 1945, Göttingen 2020, S. 87-113.
  • Almosen auf Abstand. Gabenzäune für Obdachlose in der Corona-Pandemie, in: Geschichte der Gegenwart am 10.5.2020. Zum Text
  • Im Gefolge des Wohlfahrtsstaates. Die Kieler Kriegsopferfürsorge als Untersuchungsgegenstand, in: Schenk, Britta-Marie (Hg): Im Gefolge des Wohlfahrtsstaates. 100 Jahre Kieler Kriegsopferfürsorgestelle, Husum 2020, S. 8-19.
  • Die Ambivalenzen des Wohlfahrtsstaates. Der Umgang der Kieler Stadtverwaltung mit obdachlosen Familien in den 1950er Jahren, in: Schenk, Britta-Marie (Hg): Im Gefolge des Wohlfahrtsstaates. 100 Jahre Kieler Kriegsopferfürsorgestelle, Husum 2020, S. 112-126.
  • Eine Geschichte der Obdachlosigkeit im 19. und 20. Jahrhundert, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.), Gesucht! Gefunden? Alte und neue Wohnungsfragen, Bonn 2019, S. 190-202.
  • Selbstbestimmte Fortpflanzung? Behinderung und Geschlecht in der Bundesrepublik, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 70 (2019) 1/2, S. 71-87.
  • Die Grenzen der Disziplinierung. Devianzvorstellungen und Pathologisierungen in der Obdachlosenfürsorge des Deutschen Kaiserreichs, in: WerkstattGeschichte 27 (2018) 78, S. 25-37.
  • Behinderung und Humangenetik in der Stadt. Die genetische Beratungsstelle der Gesundheitsbehörde Hamburg in den 1960er- bis 1990er-Jahren, in: Alf Trojan/Rainer Fehr (Hg.): Nachhaltige StadtGesundheit Hamburg. Bestandsaufnahme und Perspektiven, München 2018, S. 76-78.  Zum Text
  • Eine Geschichte der Obdachlosigkeit im 19. und 20. Jahrhundert, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 25/26 (2018), S. 23-29. Zum Text
  • Freie Männer? Männlichkeitskonstruktionen von Hamburger Obdachlosen in den 1950er Jahren, in: Bernhard Gotto/Elke Seefried (Hg.): Männer mit "Makel". Männlichkeiten und gesellschaftlicher Wandel in der frühen Bundesrepublik (Zeitgeschichte im Gespräch, Bd. 25), München 2016, S. 62-74.
  • Janusköpfige Liberalisierung - Zur Rolle der Eltern geistig behinderter Kinder in der humangenetischen Beratung der 1960er bis 1980er Jahre, in: Gabriele Lingelbach/Anne Waldschmidt (Hg.): Kontinuitäten, Zäsuren, Brüche? Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen in der deutschen Zeitgeschichte, Frankfurt a.M. 2016, S. 166-190.
  • Bevölkerungspolitik im Kleinen: Sterilisation in der humangenetischen Beratungspraxis im Hamburger AK Barmbek, in: Thomas Etzemüller (Hg.): Vom „Volk“ zur „Population“. Interventionistische Bevölkerungspolitik in der Nachkriegszeit, Münster 2015, S. 223-240.
  • Behinderung – Genetik – Vorsorge. Sterilisationspraxis und humangenetische Beratung in der Bundesrepublik, in: Zeithistorische Forschungen 10 (2013) 3, S. 433-454.

 

Rezensionen

  • Caldwell, Peter C./Hanshew, Karrin: Germany Since 1945. Politics, Culture, and Society, London 2018, in: German Historical Institute London Bulletin XLI (2019) 2, S. 161-164. Zum Text
  • Althammer, Beate: Vagabunden. Eine Geschichte von Armut, Bettel und Mobilität im Zeitalter der Industrialisierung (1815-1933), Essen 2017, in: Neue Politische Literatur 64 (2019) 3, S. 571-573.
  • Lenhard-Schramm, Niklas: Das Land Nordrhein-Westfalen und der Contergan-Skandal. Gesundheitsaufsicht und Strafjustiz in den „langen sechziger Jahren“. Göttingen 2016, in: H-Soz-Kult, 05.07.2017. Zum Text
  • Ausstellungsrezension: Die Geburt der modernen Medizin, 30.10.2013 Hamburg, in: H-Soz-Kult, 11.01.2014. Zum Text
  • Tümmers, Henning: Anerkennungskämpfe. Die Nachgeschichte der nationalsozialistischen Zwangssterilisationen in der Bundesrepublik. Göttingen 2011, in: H-Soz-Kult, 04.01.2012. Zum Text

 

Tagungsberichte

  • Infiziertes Europa. Seuchen in der Sozial- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, 23.03.2012 – 24.03.2012 Oldenburg, in: H-Soz-Kult, 24.04.2012. Zum Text

Presse/Öffentlichkeit

  • Projekt für den Ideenkontest 3.0 Neue Wege zur Gleichstellung von Frauen und Männern an der Philosophischen Fakultät: "Empowerment für Geschichtsstudentinnen. Die schweigende Mehrheit zum Sprechen bringen" (mit 1.500 Euro gefördert). Weitere Informationen
  • Expertenbeitrag in der Sendung "Tagesgespräch" im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2) vom 30.7.2019. Zur Sendung
  • Konsensfreudige Erstsemester?, in: Perspektiven. eMagazin für aktuelle Themen der Hochschuldidaktik. Schwerpunkt: Studieneingangsphase 1 (2019), S. 52-53. Zum Text
  • Bericht über Seminar zur Obdachlosigkeit, PERLE-Blog CAU, 20.02.2018. Zum Text
  • Meggers, Georg: Die Geschichte hilft, Gegenwart zu verstehen, in: Hempels 256 (2017), S. 28-29. Zum Text 
  • Ruske, Jennifer: Wohnungslos, aber nicht hilflos, in: unizeit vom 15.7.2017. Zum Text