Projekte

Lehnswesen revisited: Das Beispiel Dänemarks als regionaler Sonder- oder europäischer Normalfall im Mittelalter?

(Prof. Dr. Oliver Auge, Dr. Frederic Zangel)

Das von der DFG geförderte Projekt nimmt das Lehnswesen in Dänemark in den Blick. Das mittelalterliche Dänemark ist in vielfacher Hinsicht als Gegenstand einer solchen regional angelegten Studie mit europäischer Aussagekraft geeignet. In der Vergangenheit wurde die Frage nach dem dortigen Bestehen eines Lehnswesens mitunter gänzlich verneint, diese Position in jüngerer Zeit aber revidiert. Als ein Grund für die frühere Einschätzung ist gerade der Umstand zu vermuten, dass das dänische Lehnswesen mit der hergebrachten, starren Begriffsdefinition kaum in Übereinstimmung zu bringen ist. 
Die engen Kontakte wesentlicher dänischer Akteure zum Reich oder der langwierige Streit über den Lehnscharakter des Herzogtums Schleswig können freilich als Indizien für die Existenz einer regionalen Variante des Lehnswesens gesehen werden. Zudem zeigen sich große Ähnlichkeiten zwischen den dänisch- und deutschsprachigen Bezeichnungen, auch in den mittelalterlichen Quellen Dänemarks finden sich auf das Lehenswesen deutende Termini. Deshalb bildet die Erstellung einer möglichst aussagekräftigen Sammlung dänischer Quellenfunde den ersten wesentlichen Teilschritt des Projektes. Darauf aufbauend wird das Vorliegen einer kausalen Verknüpfung von Vasallität und Lehen für das mittelalterliche Dänemark geprüft. 
Ziel ist damit einerseits eine Neubewertung bisheriger Forschungspositionen zur Frage der Existenz eines dänischen Lehnswesens, in die neueste Erkenntnisse aus dem aktuellen geschichtswissenschaftlichen Forschungsdiskurs einfließen können. Andererseits können die anhand des regionalen Beispiels Dänemark gewonnenen Erkenntnisse in ebendiesen Forschungsdiskurs zurückgespiegelt werden. Dabei wird eine Neudefinition des Lehnswesens angestrebt, bei der ausgehend von Dänemark dessen verschiedene europäische Varianten Berücksichtigung finden. 


Literatur:

Auge, Oliver: Lehnswesen – historisch, in: Lexikon für Kirchen- und Religionsrecht, Bd. 3: L-R, Leiden 2020, S. 61-63. 

Auge, Oliver: Pfandlehen, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. IV, 2. völlig überarb. und erw. Aufl., 27. Lieferung, Berlin 2018, Sp. 525-527.

Auge, Oliver: Lehnrecht, Lehnswesen, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. III, 2. völlig überarb. und erw. Aufl., 19. Lieferung, Berlin 2014, Sp. 717-736. 

Auge, Oliver: Lehnsrevers, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. III, 2. völlig überarb. und erw. Aufl., 20. Lieferung, Berlin 2014, Sp. 758f.

Auge, Oliver: Ausbildung und Verbreitung des Lehnswesens im Reich und in Italien im 12. und 13. Jahrhundert – eine Zusammenfassung, in: Spieß, Karl-Heinz (Hrsg.): Ausbildung und Verbreitung des Lehnswesens im Reich und in Italien im 12. und 13. Jahrhundert (Vorträge und Forschungen, 76), Ostfildern 2013, S. 337-355.

Auge, Oliver: Hominium, tributum, feudum. Zu den Anfängen des Lehnswesens im Nordosten des Reiches bis 1250, in: Dendorfer, Jürgen/ Deutinger, Roman (Hrsg.): Das Lehnswesen im Hochmittelalter. Forschungskonstrukte – Quellenbefunde – Deutungsrelevanz (Mittelalter-Forschungen, 34), Ostfildern 2010, S. 195-215.
 

Zwischen dynastischer Räson und persönlicher Motivation: Fürstliche Witwer und ihre Handlungsspielräume im spätmittelalterlichen Reich (1250–1550)

(Leitung: Prof. Dr. Oliver Auge, Mitarbeiterin: Laura Potzuweit (M.A.))

Das von der historiographischen Forschung fast vollständig unbeachtete Phänomen des „Witwers im Fürstenstand“ steht im Fokus dieses von der DFG-geförderten Forschungsvorhabens. Beachtung finden dabei ungefähr 100 Fürsten, die im Betrachtungszeitraum mindestens einmal verheiratet waren und nach der Verwitwung für wenigstens zehn Jahre ehelos blieben. Die Frage nach der Motivation, Witwer zu bleiben, konnte dabei persönliche, dynastische, herrschaftliche als auch finanzielle Gründe umfassen. Neben die Fragen nach den Hintergründen tritt gleichermaßen auch die Frage nach den politisch-dynastischen, ökonomischen, verfassungsrechtlichen und repräsentativen Konsequenzen einer längeren Witwerschaft für den fürstlichen Witwer. Vor allem persönliche Dokumente wie Testamente, Chroniken aus dem persönlichen familiären Umfeld und die Korrespondenz bilden hierbei die Quellenbasis. Anhand einzelner, markanter Beispiele wird das Vorhaben schließlich exemplarisch Merkmale, Handlungsmuster und -spielräume des reichsfürstlichen Witwerstandes insgesamt eruieren können. Im Rahmen der Erforschung der fürstlichen Handlungsspielräume wird somit ein Beitrag zum weiteren Verständnis des spätmittelalterlichen Reichsfürstenstandes sowie der persönlichen Motivation als Einflussfaktor für das fürstliche Handeln geleistet. Dabei kann das Projekt dankenswerterweise auf die Vorarbeiten des Greifswalder „Principes“-Projekts unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Spieß zurückgreifen.

Literatur:

  • Auge, Oliver/Schnack, Frederieke M.: Fürstliche Witwer im spätmittelalterlichen Reich zwischen dynastischer Räson und persönlicher Motivation: Ein Problemaufriss, in: Archiv für Kulturgeschichte 101, Ausg. 2 (2019), S. 289-315.

Das Klosterregister und Klosterbuch für Pommern

(Leitung: Prof. Dr. Oliver Auge, Koordination: Dr. Katja Hillebrand, Mitarbeiter: Dr. Andreas Kieseler, Robert Harlaß M.A., Lea Melissa Möller, Thore Schlott B.A., Michelle Siewert B.A.)

An der Forschungsstelle Geschichte und kulturelles Erbe der Klöster und Stifte im Ostseeraum bis zur Reformation beginnt ab Oktober 2020 die Arbeit am Projekt Klosterregister und Klosterbuch für Pommern. Das von der Historischen Kommission für Pommern angeregte und auf sieben Jahre angelegte Projekt wird das Leben und Wirken aller stiftischen und klösterlichen Einrichtungen sowie der semireligiosen Institutionen in der historischen Landschaft Pommern beiderseits der Oder in enger Kooperation mit den relevanten deutschen und polnischen sowie dänischen und schwedischen Forschungseinrichtungen umfassend interdisziplinär erarbeiten. Personell besetzt ist das Projekt mit drei wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen sowie einer studentischen und zwei wissenschaftlichen Hilfskräften.

Abb.1

Abb. 1: ehemalige Zisterzienserabtei Eldena, Zierblenden an der Westfassade (Foto Detlef Witt)

Das Forschungsprojekt wird in dieser Vollständigkeit erstmals Auskunft über die herausgehobene Bedeutung der monastischen und stiftischen Einrichtungen als Zentren religiösen, politischen, agrarökonomischen und kulturhistorischen Wirkens und Handelns geben. Aufgezeigt werden die engen Verflechtungen dieser Institutionen mit den Ordensniederlassungen im Reich sowie den Anrainerländern im Ostseeraum. Eingebunden in das europaweite Netzwerk der Orden förderten die Niederlassungen nachhaltig die Integration Pommerns in die europäische Geistes- und Sachkultur.

Abb. 2

Abb. 2: Stift Cammin/Kamień Pomorski, Kreuzgang (Foto Marek Ober)

Die Projektarbeit wird die über 70 Klöster, Stifte, Konvente und Kommenden in Vor- und Hinterpommern ‒ ein Gebiet, das heute im Land Mecklenburg-Vorpommern und in den Wojewodschaften der Republik Polen (Westpommern/województwo zachodniopomorskie und Pommern/województwo pomorskie) liegt ‒ erfassen. Der Untersuchungszeitraum reicht von den Anfängen der Klöster und Stifte im 12. Jahrhundert bis zu deren Aufhebung im Zuge der Reformation. Hierzu wird in einem ersten Projektabschnitt, dem Klosterregister für Pommern, von den Mitarbeitern/innen zu jeder Niederlassung ein möglichst auf Vollständigkeit hin angelegtes Literatur-, Quellen-, Denkmal- und Inventarverzeichnis erstellt. Es wird zudem ein Fotoarchiv angelegt, das die gewonnenen Ergebnisse illustriert. Die wissenschaftliche Erarbeitung und Auswertung des Quellen- und Archivbestands, der bestehenden und vergangenen Bau- und Kunstwerke sowie der archäologischen Befunde wird die Grundlage für die Abfassung der Klosterbuchartikel bilden.

Abb. 3

Abb. 3: ehemalige Zisterzienserabtei Kolbatz/Kołbacz, Maßwerkrose an der Westfassade (Foto Marek Ober)

Im zweiten Projektabschnitt, dem Klosterbuch für Pommern, werden die gewonnenen Ergebnisse den Autorinnen und Autoren, die aus den Bereichen Universität, Archivwesen, Archäologie, Denkmalpflege und kompetenter Laienforschung kommen, für die Abfassung der Klosterbuchartikel zur Verfügung gestellt. Aufgabe der Mitarbeiter/innen wird es sein, selbst Artikel zu verfassen, Entwürfe für die thematischen Karten zu den Besitzungen und Einkünften der Einzelniederlassungen zu erstellen und die eingehenden Texte der Autorinnen und Autoren redaktionell zu bearbeiten.

Abb. 4

Abb. 4: ehemalige Zisterzienserinnenabtei Marienfließ/Marianowo, Langhaus der Klosterkirche, Blick nach Osten (Foto Thomas Helms)

Mit diesem Forschungsvorhaben wird ein in der Fachwelt seit Jahren angemahntes Forschungsdesiderat in Angriff genommen. Das Klosterbuch für Pommern wird als Standardwerk wie die bereits in der Fachwelt als unentbehrliches Arbeitsmittel angesehenen Klosterbücher zu Brandenburg, Mecklenburg, Nordrhein, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg, Westfalen sowie Württemberg eine wichtige Grundlage für die weitere monastische, aber auch regionalgeschichtliche Forschung sein. Es wird allen auf diesem Gebiet arbeitenden Kultureinrichtungen auf deutscher und polnischer Seite als unverzichtbares Hilfsmittel zur Aufarbeitung dieses umfassenden Themenbereichs für die interessierte Öffentlichkeit dienen, womit das Handbuch einen wichtigen Beitrag zur Dritten akademischen Mission erfüllt.

Abb. 5

Abb. 5: ehemalige Zisterzienserinnenabtei Bergen auf Rügen, Langhaus der Klosterkirche, Blick nach Osten (Foto Thomas Helms)

Finanziert wird das Forschungsprojekt durch Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM), die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung.

Abb. 6

Abb. 6: ehemalige Zisterzienserabtei Buckow/Bukowo Morskie, Chor der Klosterkirche (Foto Marek Ober)

 

Mediale Resonanz:

  • Pressemitteilung zum Start des Projekts, in der sich die Kultusministerin Bettina Martin, der Parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern Patrick Dahlemann, der Projektleiter Prof. Dr. Oliver Auge, der Leiter des Staatsarchivs Stettin/Szczecin Prof. Dr. Paweł Gut, der Vorsitzende der Historischen Kommission für Pommern Prof. Dr. Haik Thomas Porada und der Leiter des Universitätsarchivs Greifswald Dr. Dirk Alvermann zu dem Projekt äußern und Fragen dazu beantworten.
  • Informationen der Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte Nr. 139 vom 15. Februar 2021 hier
  • Schweriner Volkszeitung vom 16. Februar 2021 hier
  • Ostsee-Zeitung vom 19. Februar 2021 hier
  • Nordkurier vom 19. Februar 2021 hier
  • NDR Fernsehen – Nordmagazin am 19. Februar 2021 hier 
  • IDEA evangelische Presseargentur hier
  • Radiobeitrag von Radio Szczecin hier
  • Mitteilung des Archiwum Państwow hier
  • NDR Podcast im Rahmen der Kirchensendung "Gesegneten Sonntag"/"Gesegneten Feiertag" vom 24.05.2021 hier

 

Veröffentlichungen:

Oliver Auge: Klösterliche Innovationsleistungen im technisch-ökonomischen Bereich, in: Julia Becker/Julia Burkhardt (Hg.): Kreative Impulse und Innovationsleistungen religiöser Gemeinschaften im mittelalterlichen Europa (Klöster als Innovationslabore, Bd. 9), Regensburg 2021, S. 169-182.

Oliver Auge: Verflochten mit der Welt - Zisterzienserinnenklöster des südwestlichen Ostseeraums und ihre Verbindungen zu Landesherrschaft und Landesadel, in: Mittelalterliche Zisterzienserinnenklöster im südwestlichen Ostseeraum. Materielles Gut zwischen Alltag und Spiritualität. Beiträge einer Fachtagung im Dominikanerkloster Prenzlau vom 25.-28. September 2019, hg. v. Felix Biermann, Katrin Frey u. Gudrun Gleba, Wünsdorf 2020 (Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg, 35), S. 248-258.

Kieler Gelehrtenverzeichnis

(Prof. Dr. Oliver Auge, Karen Bruhn (M.A.))
 

Das Projekt Kieler Gelehrtenverzeichnis – Kieler Professorinnen und Professoren von 1919 bis 1965 – ist eine Online-Sammlung von Kieler Hochschulprofessoren. Das langjährige Forschungsprojekt bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie der interessierten Öffentlichkeit die Gelegenheit, sich über die Viten und akademischen Werdegänge von knapp 1.150 Kieler Professorinnen und Professoren, die an der Uni von 1919 bis 1965 tätig waren, zu informieren.
Am 22. November 2017 wurde dem Projekt "Kieler Gelehrtenverzeichnis", namentlich den beiden Projektleitern Prof. Dr. Oliver Auge und Prof. Dr. Norbert Luttenberger sowie den beiden verantwortlichen Mitarbeitern Dr. Jesper Zedlitz und Dr. Swantje Piotrowski, in Anwesenheit eines stattlichen Publikums in den Räumlichkeiten der Hermann Ehlers Stiftung der Kai-Uwe von Hassel Förderpreis 2017 verliehen.

Aus der Preisurkunde: "... Die Stiftung würdigt mit der Verleihung des Förderpreises an das 'Kieler Gelehrtenverzeichnis' den Beitrag, den es zur Stärkung einer regionalen Identität leistet. Der Preis unterstreicht die vorbildliche interdisziplinäre Zusammenarbeit, die dem Projekt zugrunde liegt. Diese einmalige Plattform macht die Geschichte der CAU Kiel mit zukunftsorientierten Technologien öffentlich zugänglich und fördert als Ausgangspunkt für zahlreiche Qualifikationsarbeiten erfolgreich Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler."
Bis 2021 wird das Projektteam dem Auftrag des Präsidiums der CAU nachkommen, das Gelehrtenverzeichnis auszubauen und zu erweitern. So wird das Forschungsvorhaben „Mustergültig? Kieler Hochschulkarrieren in der NS-Zeit“ aktiv die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit der CAU Kiel vorantreiben. Darüber hinaus entstanden im Rahmen des Projektes unter anderem bereits drei Themenabende in den Sommersemestern 2017, 2018 und 2019 in der Universitätsbibliothek der CAU, die an die Bücherverbrennung in Kiel am 10. Mai 1933 erinnern sollen. Nähere Informationen zu den einzelnen Themenabenden finden Sie hier unter dem Punkt "Themenabende in Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 in Kiel".
Seit dem 15. März 2019 können auch alle bibliographischen Informationen zu den insgesamt 183 Professoren zwischen 1665 und 1815 ganz bequem online abgerufen werden.
Mit der aktuellen Erweiterung der frühneuzeitlichen Quellen- und Porträtsammlung nähert sich das Projekt dem Ziel einer umfassenden und vollständigen Darstellung der Kieler Professorenschaft schrittweise an und liefert somit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Universitäts- und Kulturgeschichte, der Kieler Stadtgeschichte sowie der gesamten Region.
 

http://gelehrtenverzeichnis.de/

 

Weiterführende Literatur:


Swantje Piotrowski: Sozialgeschichte Kieler Professoren 1665-1815: Gelehrtenbiographien im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Qualifikation und sozialen Verflechtung (Kieler Schriften zur Regionalgeschichte, Bd. 2), Kiel 2018.

Karen Bruhn: Das Kieler Kunsthistorische Institut im Nationalsozialismus. Lehre und Forschung im Kontext der «deutschen Kunst», (Kieler Werkstücke Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 47), Frankfurt a.M. u.a. 2017.

Lisa Kragh: Kieler Meeresforschung im Kaiserreich. Die Planktonexpedition von 1889 zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit, (Kieler Werkstücke Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 48), Frankfurt a.M. 2017.

Oliver Auge/Swantje Piotrowski (Hrsg.): 32 exzellente Köpfe aus 350 Jahren CAU. Ein studentisches Projekt, Kiel 2015.

Oliver Auge/Swantje Piotrowski (Gastherausgeberschaft): Jahrbuch für Universitätsgeschichte, 16: Schwerpunkt: Professorenkataloge 2.0 – Ansätze und Perspektiven webbasierter Forschung in der gegenwärtigen Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Stuttgart 2013, S. 143-339 [erschienen 2015].

Martin Göllnitz: Das 'Kieler Gelehrtenverzeichnis' in der Praxis. Karrieren von Hochschullehrern im Dritten Reich zwischen Parteizugehörigkeit und Wissenschaft, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 16 (2013) [erschienen 2015], S. 291-312.

Oliver Auge/Swantje Piotrowski (Hrsg.): Gelehrte Köpfe an der Förde. Kieler Professorinnen und Professoren in Wissenschaft und Gesellschaft seit der Universitätsgründung 1665 (Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, 73), Kiel 2014.

Friedrich Volbehr/Richard Weyl (Hrsg.): Professoren und Dozenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: 1665–1954, Kiel 1956.

Otto Friedrich Wiegand (Hrsg.): Bibliographie zur Geschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel, 2. Bde., Kiel 1964–1981.

 

Über diesen Link gelangen Sie auch zur Seite der Forschungsstelle!

Geschichte des Bistums und des Domstifts Schleswig

(Prof. Dr. Oliver Auge)

Im Rahmen der renommierten Forschungsreihe der Germania Sacra, die von einer eigenen Arbeitsstelle an der Göttinger Akademie der Wissenschaften betreut wird, erfolgt die Erarbeitung und Publizierung der Geschichte des Bistums und des Domstifts Schleswig in vorreformatorischer Zeit.

Buchreihe Nordelbische Ortsgeschichten (Stadt- und Dorfchroniken)

Herausgeberschaft: Prof. Dr. Oliver Auge

Aus vielen Stadt- und Ortsgeschichten als strukturell-mikrohistorischen Zugriff auf die Geschichte eines größeren Raums lässt sich, gewissermaßen auf einer makrohistorischen Ebene, die Landesgeschichte Schleswig-Holsteins neu erschließen. In dieser Hinsicht ist es ein besonderes Anliegen des Kieler Lehrstuhls für Regionalgeschichte, sich der kompetenten und fundierten Erarbeitung solcher Lokalgeschichten in Zusammenarbeit mit und im Auftrag von interessierten Kommunen des Landes Schleswig-Holstein anzunehmen und zu publizieren.

Die Schriftenreihe Nordelbische Ortsgeschichten erscheint unter der Herausgeberschaft von Prof. Dr. Oliver Auge. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an das Sekretariat. Wir stehen gerne für nähere Auskünfte zur Verfügung. 

Aktuelles Ortsgeschichtsprojekt: Bordesholm. Autoren und Autorin sind Prof. Dr. Oliver Auge, Helge-Fabien Hertz M.ed., Dr. Christian Hoffarth, Jan Ocker M.A. und Laura Potzuweit M.A. Voraussichtlicher Abschluss Sommer 2023.

 

Die bisher erschienenen Bände finden Sie hier.

 

Hansegeschichte als Regionalgeschichte

(Prof. Dr. Oliver Auge)

In der Forschung der jüngeren Vergangenheit ist die starke Tendenz vorherrschend, die Geschichte der Hanse als Teil der mittelalterlichen (Proto-)Globalisierung zu begreifen. Als methodisches Instrumentarium dient ihr hierbei vornehmlich die Netzwerkforschung, mittels derer sich die ganz Nordeuropa und den Hanseraum umfassenden ökonomischen, politischen und sozialen Netzwerke der Hansekaufleute greifbar machen lassen.
Die Abteilung für Regionalgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verfolgt demgegenüber einen anderen methodischen Weg, der jedoch nicht als dazu gegensätzlich, sondern vielmehr als komplementär zu begreifen ist. Dabei soll die Hanse vordergründig nicht als Teil einer Globalgeschichte, sondern vielmehr als Phänomen der Regionalgeschichte betrachtet werden. Mit dieser Herangehensweise ist nicht nur ein spezieller räumlicher Blickwinkel, sondern auch ein funktionaler Raumbegriff und die damit verbundene Möglichkeit zu neuen Verständniszugängen und Erkenntnissen verbunden.

Einen Probelauf in der regionalgeschichtlichen Hansedeutung unternahm die Abteilung vom 20. bis 24. Februar 2012 in Greifswald, wo sie, großzügig gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zu Essen sowie der Lübecker Possehl-Stiftung, in Kooperation mit dem Alfried Krupp Wissenschaftskolleg eine Winterschule unter dem Leitthema dieses Projekts durchführte. Die Ergebnisse dieser Winterschule wurden im Januar des Jahres 2014 in Form eines Tagungsbandes veröffentlicht.

Literatur:

Digitale Quellenedition: „Korrespondenz einer Mäzenin – Die Briefe der Königin Sophie von Dänemark“

(Prof. Dr. Oliver Auge, Dr. Sebastian Joost) 


Dieses Projekt wird gefördert durch die Böckler-Mare-Balticum Stiftung


Sophie von Dänemark (1557-1631) zählt zu den interessantesten Frauen des konfessionellen Zeitalters. Geboren als mecklenburgische Prinzessin und 14-jährig mit König Friedrich II. von Dänemark vermählt, ging ihr Wirken weit über den einer Fürstin und Mutter zugestandenen Rahmen hinaus und prägte Wirtschaft, Politik und  Kultur ihrer Zeit. Ehrgeizig, gebildet und energisch war Sophie Regentin und Unternehmerin und trat als gut vernetzte Mäzenin in Erscheinung. Ihre Spuren sind bis heute allgegenwärtig. Während über dem Portal von Schloss Kronborg neben dem dänischen auch das mecklenburgische Wappen Sophies prangt, findet sich im Doberaner Münster ihr von Pieter Isaacsz geschaffenes Porträt.
Geprägt durch den kultivierten Hof ihrer Eltern in Güstrow, interessierte sich Sophie lebhaft für Architektur, Malerei und Bildhauerei. Ihre unternehmerischen Aktivitäten durchdrangen den gesamten Ostseeraum und machten sie als Königinwitwe zu einer der reichsten Frauen ihrer Zeit, die als Kreditgeberin der protestantischen Reichsfürsten über erheblichen Einfluss verfügte und sie zu einer wichtigen Förderin von Kultur und Wissenschaft werden ließ. Die von Sophie gepflegten Verbindungen haben sich in einem intensiven Transfer von Künstlern und Gelehrten niedergeschlagen, der sich in genealogischen Inszenierungen der Sepulkralkultur ebenso widerspiegelt, wie in der gegenseitigen Beeinflussung von Architektur und Malerei. 
So ist Schloß Nykøbing auf Falster als Sophies Witwensitz 1589 bis 1594 durch den Niederländer Philipp Brandin nach dem Vorbild des väterlichen Schlosses in Güstrow umgestaltet worden. Der Rostocker Maler und Radierer Franz Cleyn wurde nach kurzem Wirken in Dänemark durch Sophie an den Hof der Stuarts vermittelt und prägte im Dienst ihres Schwiegersohnes und Enkels die renommierte Wandteppichmanufaktur Mortlake bei London. 
Die Königinwitwe korrespondierte mit Künstlern und Wissenschaftlern, Dichtern und Bankiers, unter ihnen die Geschwister Sophie und Tycho Brahe, Johannes Kepler, Anders Sørensen Vedel, Pieter Isaaczs und Johan Gregor van der Schardt. Über fünf Jahrzehnte thematisiert sie Politik, Religion und Familie, Finanzgeschäfte und Landwirtschaft, Architektur und Malerei, Heilkunde und Hexerei, Astronomie und Literatur. 
Ihr Briefwechsel stellt nicht nur eine faszinierende Lektüre dar, sondern veranschaulicht, wie nationale und kulturelle Grenzen in dieser Korrespondenz selbstverständlich verschwimmen und sich dies auf konfessionelle und kulturelle Paradigmen auswirkt. Dabei offenbart die Königin Mechanismen fürstlichen Handelns und komplexe Netzwerke des Finanz- und Kulturtransfers zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg. 
Das Projekt wird eine frei zugängliche digitale Edition der bislang unerschlossenen Korrespondenz Königin Sophie von Dänemarks bereitsstellen und ihre Briefe als Quelle politischer, wirtschaftlicher, sozialer und religiös-kultureller Transformationsprozesse im Ostseeraum erschließen. 


Literatur: 

Christianson/John Robert: On Tycho‘s Island: Tycho Brahe, Science and Culture in the Sixteenth Century, Cambridge 2002.

Hill/Thomas: Sophie, in: Biographisches Lexikon für Mecklenburg, Bd. 1, Bremen 1995, S. 197-200.

Joost/Sebastian: Sophie Königin von Dänemark, in: Neue Deutsche Biografie  (NDB), Bd. 24, Berlin 2010, S. 590f.

Lockhart/Paul Douglas: Frederik II. and the Protestant Cause, Leiden 2004.

Neumann/Carsten: Die Renaissancekunst am Hofe Ulrichs zu Mecklenburg, Kiel 2009.
 

 

Kieler Matrosenaufstand 1918

(Prof. Dr. Oliver Auge, Knut-Hinrik Kollex (M.A.))

Der "Kieler Matrosenaufstand" vom November 1918 war eines der Ereignisse, durch die sich das Deutsche Kaiserreich zur Republik wandelte. Auch wenn die Bedeutung dieses Aufstandes unterschiedlich rezipiert wurde, ist es in der Geschichtswissenschaft in letzter Zeit um die damaligen Ereignisse in Kiel eher still geworden. Anlässlich des 100. Jubiläums im Jahr 2018 bietet sich die Gelegenheit zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Rolle der "Kieler Matrosen" in der Revolution von 1918. Wurde sonst vor allem die Arbeiter-Bewegung ins Blickfeld genommen, soll nun insbesondere die Rolle der Matrosen untersucht werden. Neben der Klärung ereignisgeschichtlicher Fragen geht es vor allem um den Einfluss der Matrosen auf den politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess der Bevölkerung am Beispiel Kiels und Schleswig-Holsteins. Neben einer umfangreichen Auswertung biographischer Quellen vor allem aus Militär- und regionalen Archiven werden Erkenntnisse auch aus einer systematischen Analyse zahlreicher zeitgenössischer Zeitungen gewonnen.

Das Projekt zum "Kieler Matrosenaufstand" wird in Zusammenarbeit mit dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum sowie dem Stadtarchiv Kiel realisiert und von der Stadt Kiel gefördert.

Den Bericht zum wissenschaftlichen Workshop im Vorfeld des 100. Jahrestages der Kieler Novemberereignisse 1918, der im März 2016 in Kiel stattfand, finden Sie hier. H-Soz-U-Kult 

Zwischenpublikationen:

  • Kollex, Knut-Hinrik: Die Bedeutung von Handlungsräumen und deren Verlagerung am Beispiel von Matrosen- und Freikorpsbewegung 1918–1920,  in: Regionalgeschichte. Potentiale des historischen Raumbezugs, hrsg. von Gallion, Nina/Göllnitz, Martin/Schnack, Frederieke M. (Zeit + Geschichte, Bd. 53), Göttingen 2021, S. 429-456. https://doi.org/10.13109/9783666317262.429
  • Kollex, Knut-Hinrik: Matrosen als 'Avantgarde'? Marinerevolten im revolutionären 20. Jahrhundert, in:  Zeiten des Aufruhrs (1916-1921). Globale Proteste, Streiks und Revolutionen gegen den Ersten Weltkrieg und seine Auswirkungen (Alternative, Demokratien. Studien zur Geschichte der Sozialdemokratie und des Sozialismus, 5), herausgegeben von Marcel Bois und Frank Jacob, Berlin 2020, S. 139-167.
  • Kollex, Knut-Hinrik: Impulse und Parallelen. Die russischen Revolutionen und der Kieler Matrosenaufstand, in: Erster Weltkrieg im östlichen Europa und die russischen Revolutionen 1917 (Schriften des Zentrums für Osteuropa-Studien der Universität Kiel, 9), herausgegeben von Alexander Trunk und Nazar Panych, Frankfurt a.M. 2019, S. 165-191.
  • Kollex, Knut-Hinrik: In Erwartung einer Revolution. Das politische Bewusstsein in Kiel, in: Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918, herausgegeben von Sonja Kinzler und Doris Tillmann, Darmstadt 2018, S. 47-52.
  • Kollex, Knut-Hinrik: Blaupause für die Revolution. Die „Kieler 14 Punkte“, in: Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918, herausgegeben von Sonja Kinzler und Doris Tillmann, Darmstadt 2018, S. 122-127.
  • Kollex, Knut-Hinrik: „Ruhe und Ordnung“. Provinzielle Revolution in Schleswig-Holstein, in: Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918, herausgegeben von Sonja Kinzler und Doris Tillmann, Darmstadt 2018, S. 133-139
  • Kollex, Knut-Hinrik: Aufstand oder Meuterei? Kiels Probleme im Umgang mit den Ereignissen vom November 1918, in: Sonja Kinzler/Doris Tillmann (Hrsg.): Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918, Darmstadt 2018, S. 276-285.
  • Auge, Oliver/Tillmann, Doris (Hrsg.): Kiel und die Marine 1865-2015. 150 Jahre gemeinsame Geschichte, Kiel 2017.

  • Kollex, Knut-Hinrik: Problemfall Matrosenaufstand. Kiels Schwierigkeiten im Umgang mit einem Schlüsseldatum seiner und der deutschen Geschichte, in: Demokratische Geschichte 25 (2014), S. 307-328.

 

Das Projekt wird in Kürze mit dem Erscheinen des Bandes zur Vortragsreihe abgeschlossen.

Übersetzung der Chronica Slavorum des Arnold von Lübeck

(Prof. Dr. Oliver Auge gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Lübke, Greifswald, und Dr. Matthias Hardt, Leipzig)

Die in den ältesten Handschriften als „Historia abbatis Lubicensis“ bezeichnete Chronik Arnolds von Lübeck († 1211/12) gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Reichsgeschichte des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts sowie für die zeitgenössische Geschichte des Ostseeraums. Allerdings steht der aktuelle Bearbeitungs‐ und Erschließungszustand in einem eklatanten Missverhältnis zur Bedeutung und zum Facettenreichtum des Werkes. Weder existiert eine kritische Textedition, die heutigen Ansprüchen genügen würde, noch gibt es eine moderne Übersetzung, die sich etwa im Universitätsbetrieb angemessen und problemlos verwenden ließe. Seit dem Ausgang der 1940er Jahre wurde eine solche neue Übersetzung zwar immer wieder angekündigt, doch kam es nie zu deren Realisierung.

Für die bekannte und verdienstvolle Reihe der Freiherr vom Stein‐Gedächtnisausgabe (FSGA) wird nun am Kieler Lehrstuhl für Regionalgeschichte in Zusammenarbeit mit Sebastian Modrow (Greifswald) eine moderne Übersetzung der Chronik Arnolds von Lübeck erstellt. Für den zugehörigen Kommentar zeichnen sich Prof. Dr. Christian Lübke und Dr. Matthias Hardt (beide GWZO Leipzig) verantwortlich.

Die Übersetzungsarbeiten sind abgeschlossen. In Kürze ist mit dem Erscheinen des Textes zu rechnen. Ein konkreter Erscheinungstermin steht noch nicht fest.


Weiterführende Literatur:

Auge, Oliver: Probleme der Übersetzung von Arnolds Chronik: Ein Werkstattbericht, in: Freund, Stephan/Schütte, Bernd (Hgg.): Die Chronik Arnolds von Lübeck. Neue Wege zu ihrem Verständnis (Jenaer Beiträge zur Geschichte, Bd. 10), Frankfurt a.M. u.a. 2008, S. 25‐43.

Abgeschlossene Projekte

Hier finden Sie eine Übersicht der abgeschlossenen Projekte der Abteilung.