Fürsten und Finanzen (Herbsttagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte e. V.)

Datum: 06. bis 09. Oktober 2020

Tagungsleitung: Prof. Dr. Oliver Auge, Kiel

Tagungsort: „Haus Insel Reichenau“, Markusstraße 15, D-78479 Reichenau

 

Intention: So sehr sich die deutsche und internationale Mediävistik seit einiger Zeit ertragreich um die Erforschung fürstlicher Dynastien und ihrer Höfe sowie einzelner fürstlicher Protagonisten bemüht zeigt, so misslich ist es gleichwohl, dass die ökonomisch-finanzielle Seite fürstlicher Herrschaft und fürstlichen Lebens im Mittelalter nach wie vor einer grundlegenden Betrachtung harrt. Misslich ist dies umso mehr, als allen an der fürstlichen Thematik in welcher konkreten Hinsicht auch immer Interessierten bei der einzelnen Forschungsarbeit schnell bewusst wird, dass eigentlich alle Aspekte fürstlichen Lebens und Herrschens ihre finanzielle Seite hatten, die wiederum für die jeweilige Gewichtung und Interpretation eine nicht zu vernachlässigende Komponente darstellt. Oft genug aber kann diese wegen aufwändiger Recherchen bzw. andersgearteter sowie regelmäßig noch schlecht erschlossener, zumindest wenig bis gar nicht edierter Quellen – man denke nur an die in den Archiven vorhandenen seriellen Rechnungen – zu wenig berücksichtigt werden. Bei dieser Sachlage stehen aber viele Betrachtungen und Bewertungen fürstlichen Heirats-, Erziehungs-, Stiftungs-, Repräsentations- oder ganz allgemein Herrschaftsverhaltens gewissermaßen auf tönernen Füßen. Umgekehrt zeigen kleinere Studien, die sich bislang in schmalen Ausschnitten der finanziellen Thematik im Zusammenhang fürstlicher Herrschaft eingehender gewidmet haben, welch großer Erkenntnisgewinn damit verbunden sein kann. Es scheint von daher angezeigt und aussichtsreich zugleich, sich endlich diesem Desiderat der Forschung zuzuwenden und zum Thema »Fürsten und Finanzen« eine internationale Tagung zu veranstalten. Der Thematik und vor allem der Überlieferung entsprechend sollte dabei der zeitliche Schwerpunkt auf das Spätmittelalter bis zum Beginn der Neuzeit gelegt werden. Geographisch ist angesichts des allgemein noch prekären Forschungsstands eine Fokussierung auf das Reich und den sog. Reichsfürstenstand sinnvoll. Doch auch eine Betrachtung der zeitgenössischen Verhältnisse in Burgund und Frankreich als Ort und Orten bzw. Räumen prachtvollen höfischen Lebens bei gleichzeitig hochentwickelter Ökonomie erscheint angebracht. Auch sollen geistliche Fürsten nicht außen vor bleiben, die so oft bei Untersuchungen zur Fürstengeschichte fehlen, aber schon aufgrund der Tatsache, dass es sich bei ihnen auch um Abkömmlinge weltlicher Fürsten handeln konnte und dass sie adäquate Lebens- und Herrschaftsformen pflegten und damit gleichen oder ähnlichen finanziellen Zwängen unterlagen, eigentlich unbedingt vorkommen müssen. Dasselbe gilt für die Fürstinnen, die sich oft genug als sehr gute Finanzjongleure zu erkennen gaben. In den einzelnen Vorträgen sollte es zunächst um die zentrale Frage gehen, welche Kosten das fürstliche Leben jener Tage verursachte und in welcher Gewichtung sich diese Kosten verteilten. In den Vordergrund der Tagung soll freilich das Ringen mit einer vermeintlich stetig wachsenden Schuldenlast rücken, womit augenscheinlich nahezu jeder Fürst konfrontiert war. Damit in Verbindung stehen theoretische Lösungsvorschläge, wie sie etwa die Traktatliteratur des späten Mittelalters liefrt und praktische Lösungsversuche dieser »Schuldenfalle«, in der fürstliche Herrschaft vielfach, ja in der Regel steckte. Es wird konkret auch das Verhältnis der Fürsten zu nichtadeligen Kapitalträgern zur Sprache zu kommen haben. Ein kunsthistorischer Eröffnungsvortrag wird sich auf eine Spurensuche zur Thematik in Kunst und Kunstgeschichte begeben, während ein germanistisch-mediävistischer Beitrag "Fürsten und Finanzen" als Themen der höfischen Literatur vorstellen wird.

Tagungsprogramm

 

Dienstag, 06. Oktober 2020


Prof. Dr. Oliver Auge (Kiel) - 19.30 Uhr
Einführung in das Tagungsthema

Prof. Dr. Matthias Müller (Mainz) - 20.00 Uhr
Fürsten und Finanzen in Kunst und Kunstgeschichte

 

Mittwoch, 07. Oktober 2020

Prof. Dr. Petra Schulte (Trier) - 9.00 Uhr
Die Finanzen des Fürsten in der europäischen Traktatliteratur des späten Mittelalters

Prof. Dr. Kurt Andermann (Karlsruhe / Freiburg) - 11.00 Uhr
Fürstliche Schulden in der Realität

Prof. Dr. Christian Hesse (Bern) - 15.00 Uhr
Dauerzustand oder Nothilfe in Krisenzeiten? Die Bedeutung von Darlehen fürstlicher Amtsträger in spätmittelalterlichen Territorien des römisch-deutschen Reiches

Prof. Dr. Uwe Schirmer (Jena) - 17.00 Uhr
Die Finanzen der Kurfürsten von Sachsen (1445-1485)

 

Donnerstag, 08. Oktober 2020

Prof. Dr. Dr. h. c. Gerhard Fouquet (Kiel) - 9.00 Uhr
Der römisch-deutsche König und das Geld seiner Stadtbürger im 15. Jahrhundert

Prof. Dr. Julia Hörmann von Thurn und Taxis (Innsbruck) - 11.00 Uhr
Die Fürstin und ihr Geld. Die Finanzen der Herzoginnen von Österreich und der Tiroler Landesfürstinnen im 14. Jahrhundert

Prof. Dr. Bertrand Schnerb (Lille) - 15.00 Uhr
Die Finanzen des Marstalls Herzogs Philipp den Guten von Burgund (1419-1467)

Dr. Nils Bock (Münster) - 17.00 Uhr
Alte Verpflichtungen und neue Steuern. Königliche Finanzen im Frankreich des 14. Jahrhunderts

 

Freitag, 09. Oktober 2020

Prof. Dr. Jörg Peltzer (Heidelberg) - 9.00 Uhr
Zusammenfassung, Schlussdiskussion

 

Nähere Informationen zur Anmeldungen erfolgen in Kürze.