Mittlere und Neuere Geschichte

Mittlere und Neuere Geschichte

startbildAls ‘Frühe Neuzeit’ bezeichnet man die Epoche zwischen den Übergängen vom 15. zum 16. Jahrhundert und vom 18. zum 19. Jahrhundert. Ihr Beginn ist u.a. markiert durch durch die Auflösung der Glaubenseinheit in Europa im Zuge der Reformation mit ihren weitreichenden Folgen für das Verhältnis von Religion, Politik und Gesellschaft, durch die Anfänge der europäischen Expansion nach Übersee, welche die politische und kulturelle Landkarte der Welt bis in die Gegenwart prägt. An ihrem Ende stehen die Aufklärung und die Revolutionen in Amerika und Frankreich, die auf die Konzepte gesellschaftlicher Ordnung der Moderne verweisen. Strukturell ist der langfristige Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft in sie eingebettet. Keimformen des Neuen und Überkommenes stehen in jenen drei Jahrhunderten in einem ständigen Spannungsverhältnis zueinander und konturieren die Prozeßhaftigkeit der Epoche. In jenem Spannungsverhältnis zwischen Mittelalterlichem und Neuzeitlichem manifestiert sich die epochenübergreifende Einheit des historischen Prozesses. Diese Einheit läßt klare Epochenabgrenzungen zwar als letztlich künstliche Setzungen erscheinen. Es lassen sich aber gute Gründe dafür finden, mit jenen Abgrenzungen zu arbeiten. Sie ermöglichen eine Strukturierung des historischen Prozesses etwa nach dem Kriterium des beschleunigten Wandels in bestimmten zeitlichen Phasen. Wandel freilich erkennt man nur, wenn man auch um die Kontinuitäten weiß, welche die Epochen miteinander verklammern.

An der Kieler Professur für die Mittlere und Neuere Geschichte wird deshalb in der Lehre das gesamte chronologische Spektrum von der Zeit um 1500 bis zu der um 1800 abgedeckt. Ebenso wird versucht, die Bereiche der Politik-, Sozial- und Kulturgeschichte in ein integriertes Programm in europäischer Perspektive zu überführen. In der Forschung werden Schwerpunkte gesetzt. Dazu gehört das Feld der Reformations- und Konfessionsgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts. Dazu gehört auch die europäisch vergleichende Beschäftigung mit der Vielfalt politischer Kulturen, deren normativen Grundlagen und den Prozessen der Kommunikation über diese Grundlagen. Die geographischen Schwerpunkte liegen dabei auf Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz mit Ausgriffen nach Nordeuropa und den britischen Inseln.