Didaktik der Geschichte

Forschungsprojekte

Historische Imagination und Zeitbegriff von Schüler*innen im Förderschwerpunkt Lernen (Prof. Dr. Sebastian Barsch)


Das Projekt erfasst auf Basis qualitativer Methoden den Zeitbegriff und Vorstellungen von Schüler*innen mit einem diagnostizierten Förderbedarf im Bereich Lernen. Dazu wurden 28 Schülerinnen und Schüler verschiedener Förderschulen Lernen und 35 Schüler von Haupt- und Gesamtschulen (als Strukturvergleichsgruppe) befragt. Die Schülerinnen und Schüler der Förderschule wurden anschließend ca. 360 Minuten zum Thema Industrialisierung unterrichtet und wurden erneut  befragt. Für die Erhebung wurde ein mehrschrittiges, experimentelles Instrumentarium entwickelt, welches visuelle Reize nutzte, um in halbstandardisierten Interviews Ausprägungen historischer Imagination und historischer Sinnbildung bei den Schüler*innen zu erfragen. 
Vorgehen: Einem historischen Schwerpunkt (Industrialisierung) sollten in einer Face-to-Face-Situation aus einer Auswahl von neun Bildern drei Bilder zugeordnet werden. Je drei Bilder entstammten den Kategorien Arbeit, Familie, Herrschaft aus jeweils drei Epochen (Frühe Neuzeit, 19. Jahrhundert, 21. Jahrhundert). Alle Darstellungen sollten anschließend in eine chronologische Reihe gebracht werden. Anhand eines semantischen Differenzials sollte die affektive Komponente historischer Darstellungen erfragt werden.
Gruppendiskussionen in Kleingruppen von max. drei Schüler_innen wurden auf Basis der Frage „Wie stellt ihr euch das Leben vor 150 Jahren vor?” geführt. Die Auswertung erfolgt durch die Qualitative Inhaltsanalyse.
Die Daten werden voraussichtlich bis Ende 2017 vollständig ausgewertet sein.

Projektbezogene Veröffentlichung:
Barsch, S. (2013): Historische Imagination von Schülern mit „Lernbehinderungen”. Empirische Zugangsweisen und Ergebnisse einer Pilotierung. In: Hodel, Jan/ Ziegler, Beatrice: Forschungswerkstatt Geschichtsdidaktik 12. Beiträge zur Tagung „geschichtsdidaktik empirisch 12“, Bern, 95-107.

Mittelalter – Domänenspezifisches Professionswissen von Lehrkräften und lehramtsbezogene Studienangebote im BA/MA of Education (Geschichte) der CAU Kiel (Burghard Barte)


Das Promotionsprojekt im Rahmen der fächerübergreifenden Initiative Lehramt in Bewegung an der CAU widmet sich einer der zentralen forschungstheoretischen Problemlagen des universitären Wissenserwerbs innerhalb der Disziplin Geschichte: Der Diskurs um die Semantik des Faches mit den sich anschließenden Fragen der Systematisier- sowie Vernetzbarkeit historischen Wissens als Ausgangspunkt des Erwerbs eines kohärenten und transferfähigen Fachwissens. Am Beispiel von Analysen und auf Grundlage einer mehrschrittigen empirischen Feldstudie sowie im Rekurs auf den state of the art der Kognitionspsychologie soll das Spannungsverhältnis zwischen normativen Anspruch und Praxis des Wissenserwerbs in der Geschichtslehrerbildung aufgezeigt und ein Ausblick auf mögliche Lösungsansätze gegeben werden.

(Ein CAU-LiB Projekt in Kooperation mit Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Fouquet.) http://www.qualitaetsoffensive-lehrerbildung.uni-kiel.de/de/lehramt-in-bewegung

Betreuung: Prof. Dr. Sebastian Barsch

Geschichtslehrer*In werden: Berufswahlmotivation über Portfolio-/Reflexion erfahren (Prof. Dr. Sebastian Barsch/ Nina Glutsch (Köln))


In der universitären LehrerInnenbildung ist die Reflexion über Praxisphasen und den eigenen berufsbiografischen Prozess inzwischen Standard (vgl. Weyland et al., 2015). Inwieweit sich Lehramtsstudierende zu Beginn ihres Studiums allerdings reflektiert mit ihrer eigenen Person und Rolle als zukünftige Lehrkraft auseinandersetzen können, ist noch unklar (Leonhard et al., 2011). Auch über ihre Motive, ihre gewählten Fächer unterrichten zu wollen, ist wenig bekannt. Das Projekt geht der Frage nach, welche Berufswahlmotivationen Lehramtsstudierende des Fachs Geschichte über das Reflexionsinstrument „Portfolio“ äußern. Die Auswertung erfolgt durch die Qualitative Inhaltsanalyse.
 

Kompetenzraster: die diagnostische Herausforderung zwischen historischem Wissen und Kompetenzgraduierung (Horst Schilling)


In den letzten Jahren wurden in der Geschichtsdidaktik verschiedene Kompetenzmodelle theoretisch entwickelt, die mittlerweile auch in den Lehrplänen Eingang gefunden haben. Gleichwohl steht die empirische Forschung zu historischen Kompetenzen und Teilkompetenzen, insbesondere bezüglich möglicher Graduierungsparameter, noch am Anfang. Auch Inventar zum Diagnostizieren historischer Kompetenzen ist kaum vorhanden. Im Rahmen der qualitativen Studie soll ein Kompetenzraster zur narrativen Kompetenz entwickelt und erprobt werden. Zielgruppe sind Schüler*innen der Klassen 7-10.

Betreuung: Prof. Dr. Sebastian Barsch

Der Zusammenhang von individuellen Geschichtsbildern und politischen Einstellungen bei jungen Erwachsenen (Konstantin Stamm)


Geschichte ist ein Konstrukt. Je nach Perspektive gibt es verschiedene Erzählungen über die Vergangenheit. Wie Menschen diese verstehen und deuten, unterscheidet sich somit auch individuell zwischen konstruktivistischem und positivistischem Deutungen. Ob sich diese subjektive Sichtweise auf das politische Bewusstsein auswirkt, ist bisher nicht erforscht. Die Dissertation möchte anhand einer quantitativen Studie herausfinden, ob genrealisierbare Zusammenhänge zwischen Geschichtsbild und politischer Einstellung bestehen. Dafür sollen Probanden im Alter von 20-25 Jahren befragt werden, die laut Modellen der psychosozialen Entwicklung ihr « Ich » im öffentlichen Raum bereits ausgebildet haben.

Betreuung: Prof. Dr. Sebastian Barsch

Urteilsfähigkeit und historisches Lernen: eine qualitative Studie zum kritischen Umgang mit Quellen bei Schüler*innen der Sek. I (Prof. Dr. Sebastian Barsch/ Dr. Sönke Zankel)


Mit der Studie soll erfasst werden über welche Strategien Schüler*innen der Mittelstufe an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein verfügen, um zu einem Urteil über historischen Quellen zu kommen. Dazu wurde vier Schulklassen eine historische Werbung vorgelegt, über die diese eine ca. einseitige Erzählung verfassen. Der Grad der in diesen Texten geäußerten Quellenkritik wird mit der Methode der Grounded Theory erfasst.

Eine qualitative Analyse des Zusammenhangs zwischen digitalen Medien und der Entwicklung narrativer Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im gymnasialen Geschichtsunterricht (Henning Host)


Die Dissertation greift das Forschungsdesiderat auf, wonach der Zusammenhang zwischen digitalen Medien und der Entwicklung narrativer Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern des gymnasialen Geschichtsunterrichts näher eruiert werden sollte. Perspektiven, Erkenntnisse und Methoden der Medien- und Geschichtsdidaktik werden in dieser Arbeit verknüpft. 

Erstens soll eine Unterrichtsreihe der fünften bzw. sechsten Jahrgangsstufe mit digitalen und analogen Medien unter Berücksichtigung medien- und geschichtsdidaktischer Kriterien konzipiert, implementiert und systematisch begleitet werden. Die Materialien werden als offene Bildungsmaterialien lizenziert und im Geschichtsunterricht der fünften bzw. sechsten Jahrgangsstufe eingesetzt. Auf diese Weise werden der Prozess der Konzeption und Implementierung als Teil von Forschung begriffen und systematisch mithilfe von Methoden empirischer Sozialforschung begleitet und erfasst. Im Sinne eines sog. entwicklungsorientierten Paradigmas gehen Praxis-Entwicklung und Erforschung Hand in Hand. 

Zweitens werden narrative Produkte von Schülerinnen und Schülern der fünften bzw. sechsten Jahrgangsstufe im Hinblick auf sprachliche und inhaltliche Konstruktion qualitativ analysiert. Die narrativen Produkte können verschriftliche oder verbalisierte Formen des individuellen historischen Konstrukts sein. Auf Basis von individuellen Beobachtungen werden verallgemeinerbare Schlussfolgerungen zur Rolle digitaler Medien im Geschichtsunterricht formuliert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.henninghost.de

Betreuung: Prof. Dr. Sandra Hofhues (Universität zu Köln als Erstbetreuerin), Prof. Dr. Sebastian Barsch (Zweitbetreuuer)