Didaktik der Geschichte

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FAQs zur Hauptseminar-Arbeit und zum Hauptseminar-Referat

 

Was ist das Anliegen ( = wissenschafts-didaktische Ziel) einer Hauptseminararbeit (gleichgültig ob fachwissenschaftlich oder didaktisch).

  • Nicht nur Beantwortung der Frage: "Zu welchen Ergebnissen kommt die Forschung", sondern auch ganz wichtig: "Wie kommt die Forschung bei einem möglichst eng gefassten Thema zu ihren (häufig kontroversen) Ergebnissen".
    Im Unterschied dazu soll die Abschlussarbeit (Master, Magister- Staatsexamensarbeit) dann Ansätze zu eigenen Forschungstätigkeit erkennen lassen.

Welchen Anforderungen muss die Einleitung genügen?

  • Sie muss eine genaue Fragestellung aufweisen.

  • Die Fragestellung muss expliziert werden (ausführliche Darstellung der Fragestellung und Klärung ggf. Problematisierung der Fachbegriffe).

  • Thesenförmige Vorwegnahme der wichtigsten Ergebnisse der Arbeit.

  • Präzise Verortung
    a: In den Forschungstand (ganz wichtig),
    b: Besprechung der Quellenlage.
    c: Besprechung der Probleme von Quellenlage und Forschungsstand.
    d: Genau "angeben", was man selber in der Arbeit macht. Z. B., wenn man etwas Neues entwickelt. eine Quelle, die noch nie interpretiert wurde, interpretiert oder noch besser, sie gar im Archiv aufgespürt hat, dann sollte man durchaus schreiben "Ich habe..." Aber auch  wenn man nichts anderes tut, als einen aus der Sekundärliteratur geschöpften  Verlauf der Ereignisse wiederzugeben, wobei man sich möglicherweise  nur auf wenig Literatur stützt, sollte man dies dem Leser auch mitteilen (bevor er darauf kommt). Und schon gar nicht: Die eigene Darstellung ausgeben, als ob man sie selber entwickelt hat. Etwas ohne Angaben zu paraphrasieren ist wissenschaftlich nicht lauter. Aber vielleicht hilft hier der Zwang zu sagen, was man tut, zu erkennen, was man zu tun vor hat, um dann eine  Arbeit mit einem höheren Selbstanspruch zu schreiben..

  • Wenn die Arbeit gar neue Forschungsergebnisse enthält, dann ausdrücklich darauf hinweisen (gilt eher für Abschlussarbeiten).

  • Überblick über den Gang der Arbeit, (nicht Aneinanderreihung "und dann .. und dann ... und dann noch etwas Interessantes" )
    sondern argumentative Entwicklung der behandelten Punkte (b, weil a ...  und c, weil a und b ).

Welchen Anforderungen muss eine Gliederung genügen?

  • Aus ihr sollte der Leser einen Überblick gewinnen, was in der Arbeit behandelt wird.

  • Gliederungsüberschriften sollten möglichst knapp UND inhaltsreich sein.

  • Nur formale Überschriften (z. B. "Einleitung", "Schluss", "Fazit") sagen nichts aus, allenfalls nur, dass etwas am Anfang bzw. am Schluss steht oder ein Fazit gezogen wird (ja, welches denn?).

Welchen Anforderungen muss der Hauptteil genügen?

  • Kann man schwer so allgemein sagen. Das hängt nun ganz eng vom Thema und vom Zuschnitt der Arbeit ab.

  • Auf alle Fälle: Die Arbeit muss leicht verständlich sein, insbesondere dort, wo schwierige Probleme dargestellt werden.

  • Zum Verhältnis Anmerkungen und Textteil gilt: Der Textteil muss ohne Zuhilfenahme des Anmerkungsapparates lesbar sein. "Aber ich habe das doch  in der Anmerkung 345c" geschrieben" macht die Arbeit nicht viel besser. Und:

  • Hauptsachen kommen in den Haupttext. Nebensachen in die Anmerkungen.

Wie gestalte ich den Schluss?

  • Gar kein Schluss ist immer noch besser als ein verkorkster.

  • Der zweitbilligste (jedoch ein ordentlicher) Schluss ist eine Zusammenfassung der (ggf. Forschungs-) Ergebnisse.

  • Besser ist eine Zusammenfassung mit Ausblicken.

  • Noch besser ist es, wenn darüber hinaus noch Reflexionen zu den Ergebnissen der Arbeit angestellt werden.

Was ist, wenn eine Arbeit wissenschafts- und sprachlich-formal nicht korrekt ist?.

  • Soweit sie nicht nur gelegentlich Fehler enthält, wird sie nicht benotet und zu Verbesserung zurückgegeben, so lange bis die Arbeit  korrekt ist. (Achtung: Gefahr des Fehlversuches!).
    Kann in seltenen Fällen lange dauern. Beklagen Sie sich dann bitte nicht bei mir, sondern bei Ihren Deutschlehrern, die Sie vielleicht zu viel diskutieren und in Gruppen haben arbeiten lassen

Was sind die Maßstäbe der Benotung?

Hier halte ich mich an den KMK-Beschluss zur Notengebung vom 3. Oktober 1968 (Achtung Gefahr! Nicht jedem Uni-Dozenten ist dieser Beschluss bekannt, die Noten fallen daher manchmal zu gut aus)

  • 1 (sehr gut) – wenn die Leistung den Anforderungen in besonderem Maße entspricht.
    (Für die HS-Arbeit heißt das: Der Verfasser stellt eine Fähigkeit zum eigenständigen Denken und selbständigen Arbeiten unter Beweis. Er hat das Zeug, produktiv und kreativ zu sein.
  • 2 (gut) – wenn die Leistung den Anforderungen voll entspricht. (d. h. alles perfekt wiedergekäut, Betonung liegt auf perfekt, nota bene: Das ist dann "nur" eine 2!)
  • 3 (befriedigend) – wenn die Leistung im Allgemeinen den Anforderungen entspricht.  (d. h. a: bei anspruchsvoller Aufgabenstellung: weniger perfekt wiedergekäut, z. B. zu lang, zu umständlich, etwas ungeordnet in der Gedankenführung, aber alles Wesentliche ist da. "Ich habe doch alles gebracht!" (Aber wie!) kann dann nur mit befriedigend benotet werden und wird es auch. Das ist die eine Möglichkeit für eine 3.
    b: Es gibt jedoch auch noch eine andere - sehr häufig vorkommende - Möglichkeit, dass eine Arbeit mit 3 bewertet wird: Wenn eine Arbeit zwar alles perfekt wiedergekäut und gut dargeboten hat, aber die gewählte Aufgabenstellung kein sonderliches Bein-Ausreißen erforderte, d. h. zu wenig anspruchvoll war und der Verfasser es sich vielleicht etwas zu leicht gemacht hat. Das ist übrigens völlig legitim. Man kann und will vielleicht nicht in jeder Teil-Disziplin sich ein Bein ausreißen, sondern nur durchkommen und spart seine Kräfte für etwas Wichtigeres.)
    3 ist im Übrigen keine schlechte Note, sondern eine mittlere.
  • 4 (ausreichend) –  wenn die Leistung zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht. (a: bei schwieriger Aufgabenstellung heißt Mängel: wichtige Literatur und Quellen gelegentlich (nota bene: Nur gelegentlich!) nicht beachtet, Probleme verkürzt oder nur teilweise dargestellt.
    b: bei  leichter Aufgabenstellung heißt Mängel, schon wenn die Darbietung zu wünschen übrig lässt. Wenn dann noch wichtige Literatur und Quellen gelegentlich  nicht beachtet, Probleme verkürzt oder nur teilweise dargestellt werden, dann ist das schon eine...)
  • 5 (mangelhaft) – wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können.
    (Hier insbesondere beachten, dass auch schon mit 5 benotet wird, wenn die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind. Aber es sind dann eben nicht nur gelegentliche Mängel vorhanden. Auch mindestens eine 5. wenn z. B. die einschlägigsten Hilfsmittel, die sie in den Pro- und Aufbau-Seminaren vorgestellt bekommen haben, nicht bekannt sind, wenn nicht gar eine...
  • 6 (ungenügend) – wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht und selbst die Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden können, d. h. Studium wechseln oder sich wirklich hinsetzen oder zu einem anderen Dozenten gehen, wenn Sie mit mir nicht können und es daran liegen sollte).

Was sind die häufigsten Fehler in einer fachwissenschaftlichen HS-Arbeit?

  • Nur Geschichte nacherzählen D. h. nur wiederzugeben, was die Forschung so erforscht hat, ist keine vollständige, sondern nur eine Teil-Beantwortung der Fragen einer HS-Arbeit. Eine Antwort auf die Frage "Wie kommt die Forschung zu ihren Ergebnissen" gehört, wie in Punkt 1 schon gesagt, auch dazu.

Was sind die häufigsten Fehler in ein fachdidaktischen HS-Arbeit.

  • Die Verwechslung mit einem Unterrichtsentwurf. Wie Sie den anfertigen, lernen Sie anderen Veranstaltungen nämlich in den schulpraktischen Übungen und in den Praktika. Im HS-Seminar geht es um etwas anderes, nämlich um die Fähigkeit, über die Probleme des Lehrens und Lernens von Geschichte zu reflektieren.

Was ist, wenn ich als Master-Student von der Didaktik-Vorlesung im didaktischen Hauptseminar nichts mehr weiß?

  • Die Inhalte der Vorlesung sind für alle, die ab WS 2011/12 das Master-Studium beginnen inhaltliche Voraussetzung für das Didaktik-Hauptseminar. Die Vorlesung gehört ja zum gleichen Modul.

Wie lang muss die Hauptseminararbeit sein?

  • Sie muss vor allem gut sein.
  • Durchschnittlich sind es 20-25 Seiten.
  • Beachte jedoch frei nach Goethe: "Getretener Quark wird breit nicht stark.
    Und entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe. Für einen kurzen hatte ich keine Zeit."
    Auch mit 10 Seiten können sie eine 1 bekommen. Die müssen dann aber exzellent komponiert sein.

Warum muss ich mein Referat frei halten und warum zählt das Referat 50 %?

  • Das ist die Copy-and-Paste-Bremse. Und außerdem: Wenn Sie mit Geschichte auch nur einen müden Euro verdienen wollen, dann müssen Sie gut reden und schreiben können. Als Lehrer müssen sie vielleicht nur gut reden können. Naja, gut schreiben schadet nicht dem Berufsbild
  • "Frei halten" heißt im Übrigen maximal 1 Seite als Stichwort-Stütze (nicht ein Blatt, das sind nämlich zwei Seiten)
  • Die mündliche Darbietung geht auch in die Bewertung ein. Keine Sorge: Nervös dürfen Sie durchaus sein, und es darf Ihnen auch etwas entfallen. Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Aber Sie müssen ungeachtet vieler schlechter Beispiele mit der freien Rede nun einmal anfangen, wenigstens hier in diesem Seminar.

Was gehört noch zum Referat?

  • Ein ca. dreiseitiges Handout mit der wichtigsten Literatur und den wichtigsten Thesen für ihre Kommilitonen

Darf ich Powerpoint verwenden?

  • Sehr gern. Aber Sie müssen mit der Methodik einer Powerpoint-Präsentation vertraut sein. D. h., eine Powerpoint-Präsentation ist kein Ersatz für das Ablesen von einem Paper. "Nachtigall ick hör dir trabsen: Wenn man vom Papier nicht ablesen darf, dann wenigstens von der Folie".

Worin unterscheidet sich das Referat von der schriftlichen Arbeit

  • Abgesehen davon dass das Referat  inhaltlich wegen der Zeitbegrenzung kürzer sein muss, vor allem darin:
    Bei einem  Referat kann man den Kenntnisstand, den man im Laufe oder am Ende des Seminars erreicht hat, nicht voraussetzen.
    Oder anders formuliert:
    Wenn man seine Hauptseminararbeit erst in den Semesterferien schreibt, muss sie dem im Seminar erreichten Kenntnisstand Rechnung tragen. Schlaue Studierende geben daher gleichzeitig mit dem Referat die schriftliche Ausarbeitung ab.
     

Wozu diese Liste

  • Jeder Dozent muss nicht nur lehren, sondern leider auch benoten, d. h. u. U. Lebenschancen vergeben. Aus Gründen der Transparenz mache ich meine Anforderungen und meine Maßstäbe der Bewertung hier bekannt..

Gelten die Kriterien auch bei anderen Dozenten?

  • Nicht zuletzt: Weil Freiheit in Forschung und Lehre besteht, können andere Dozenten durchaus andere Kriterien haben. ;-)).