Madita Baudach
Geschichtskulturelle Agency von Migrantisierten in machtkritischen historischen Bildungsangeboten.
Geschichtskulturelle Agency, verstanden als die Fähigkeit sozialer Akteure, Vorstellungen von Vergangenheit eigensinnig zu re-konstruieren und zu verändern, um partizipativ Geschichtskultur in der Gesellschaft zu gestalten (Yildirim 2024), unterliegt ungleichen Partizipations- und Zugangsvoraussetzungen, da die Vorstellung einer nationalen Abstammungsgesellschaft vorherrscht und in gesellschaftlichen Strukturen verankert ist (Kollender/ Kourabas 2020). Zum einen wird geschichtskulturelle Agency durch Migrantisierungsprozesse strukturell verhindert, andererseits werden beispielweise in der non-formalen Bildung auch Handlungsräume geschaffen; geschichtskulturelle Agency ist dementsprechend relational und dynamisch.
Das Projekt fokussiert Bildungsangebote, die die strukturelle Verwehrung geschichtskultureller Agency herausfordern bzw. aufbrechen wollen und fragt danach, wie in non-formaler Bildung, die eine machtkritische historische Perspektive einnimmt, von Migrantisierten geschichtskulturelle Agency konstruiert wird. Dabei wird insbesondere ein Blick auf die Handlungsräume geworfen, die in machtkritischen historischen Bildungsangeboten geschaffen und/ oder verwehrt werden. Übergeordnete Ziele sind die Schärfung des Begriffs geschichtskultureller Agency und die Betrachtung der Auswirkungen von Migrantisierungsprozessen auf Bereiche der non-formalen Bildung.
Betreuung: Prof. Dr. Lale Yildirim
Zur Person
Ahmet Celikten
Othering through Academic Discourse? The (Re)Production of Migrantized Figures in Educational Sciences – The Case of Turkey-Related Migration in Germany
Betreuung: Prof. Dr. Lale Yildirim
Zur Person
Zum Teilprojekt
Anna Fend
Aushandlungen der individuellen geschichtskulturellen Agency von Arbeitsmigrant*innen in der Retrospektive der langen Transformationszeit der DDR.
In den letzten Jahren entwickelte sich die zeithistorische Migration in Deutschland zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema. Neue integrative Narrative entstanden, die Migration als zentralen Bezugspunkt der Geschichte Deutschlands begreifen. Dabei fällt jedoch auf, dass die DDR und der spätere Osten Deutschlands oftmals als migrationsfrei gedacht werden. Dabei waren die DDR und das spätere Ostdeutschland Migrationsgesellschaften, in denen migrantische Kontinuitäten sowie eine (post-)migrantische Realität bestanden und bestehen.
Diese Arbeit fragt nach der Selbsteinschätzung von Arbeitsmigrant*innen hinsichtlich ihrer geschichtskulturellen Agency, also danach, inwiefern sie sich selbst als wirkmächtig innerhalb der Geschichtskultur wahrnehmen und Möglichkeiten sehen, eigene Narrative und Erzählungen zu etablieren. Die biografischen Erzählungen von sogenannten Vertragsarbeiter*innen und die Geschichte ost-migrantischer Selbstorganisierung machen dabei auf den Konstruktionscharakter und die Durchmachtung von Erinnerung aufmerksam, indem sie die Leerstellen in hegemonialen Narrativen kenntlich machen.
Die Auseinandersetzung mit (Arbeits-)Migration in die DDR und mit ost-migrantischen Selbstorganisationen eröffnet einen erweiterten Blick auf die DDR und Ostdeutschland als vielschichtigen, transnational verflochtenen Raum. Sie macht deutlich, dass Fragen geschichtskultureller Agency und Zugehörigkeit zentral für das Verständnis einer Migrationsgesellschaft sind.
Betreuung: Prof. Dr. Lale Yildirim
Zur Person
Maik Hoops
»Gastarbeiterkinder« – »Ausländerkinder« – »Migrantenkinder« – Eine historische Semantik der Produktion migrantisierender Begriffe in Schule und Wissenschaft von den 1960er bis in die 2000er Jahre. (Arbeitstitel)
Betreuung: Prof. Dr. Lale Yildirim
Zur Person
Zum Teilprojekt
Anja Neubert
Zur Person
Imke Sofie Selle
Die Emslandlager als Konfliktlandschaft in Transformation. Forschendes Lernen am Schnittpunkt universitärer Lehrer*innenbildung, Gedenkstättenpädagogik und partizipativer digital public history
Betreuung: Prof. Dr. Lale Yildirim
Zur Person
Maria Woischwill
Geschichtskulturelle Agency im Spiel der Algorithmen.
Zur Konstruktion und Reflexion geschichtskultureller Agency von Lernenden in Social Media unter den Bedingungen simulierter Algorithmizität.
Soziale Medien sind längst zu einem zentralen Ort digitaler Geschichtskultur geworden. Geschichte(n) werden dort (re-)produziert, verbreitet, diskutiert und ausgehandelt. Das theoretische Partizipationspotenzial dieser Räume ist dabei erheblich. Niedrige Zugangshürden und die Auflösung klassischer Sender-Empfänger-Strukturen ermöglichen neue Formen geschichtskultureller Teilhabe.
Gleichzeitig sind soziale Medien hochgradig durch algorithmische Strukturen geprägt, die Sichtbarkeit und Teilhabe maßgeblich mitbestimmen und damit darüber entscheiden, welche historischen Narrationen gesellschaftliche Resonanz entfalten können.
Algorithmizität ist bisher kaum als geschichtsdidaktische Kategorie ausgearbeitet worden. Die Frage, was algorithmische Strukturen für historisches Denken und geschichtskulturelle Teilhabe bedeuten, ist weitgehend offen.
Das Promotionsprojekt zielt darauf ab, diese Lücke explorativ zu erschließen und das Konzept der geschichtskulturellen Agency für den digitalen Kontext theoretisch zu schärfen. Es fragt danach, wie Lernende ihre geschichtskulturelle Agency als historisch erzählende Subjekte in (simulierten) algorithmisch strukturierten Räumen wahrnehmen, konstruieren und reflektieren.
Betreuung: Prof. Dr. Lale Yildirim
Zur Person