Anna Fend

Aushandlungen der individuellen geschichtskulturellen Agency von Arbeitsmigrant*innen in der Retrospektive der langen Transformationszeit der DDR.

In den letzten Jahren entwickelte sich die zeithistorische Migration in Deutschland zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema. Neue integrative Narrative entstanden, die Migration als zentralen Bezugspunkt der Geschichte Deutschlands begreifen. Dabei fällt jedoch auf, dass die DDR und der spätere Osten Deutschlands oftmals als migrationsfrei gedacht werden. Dabei waren die DDR und das spätere Ostdeutschland Migrationsgesellschaften, in denen migrantische Kontinuitäten sowie eine (post-)migrantische Realität bestanden und bestehen.

Diese Arbeit fragt nach der Selbsteinschätzung von Arbeitsmigrant*innen hinsichtlich ihrer geschichtskulturellen Agency, also danach, inwiefern sie sich selbst als wirkmächtig innerhalb der Geschichtskultur wahrnehmen und Möglichkeiten sehen, eigene Narrative und Erzählungen zu etablieren. Die biografischen Erzählungen von sogenannten Vertragsarbeiter*innen und die Geschichte ost-migrantischer Selbstorganisierung machen dabei auf den Konstruktionscharakter und die Durchmachtung von Erinnerung aufmerksam, indem sie die Leerstellen in hegemonialen Narrativen kenntlich machen.

Die Auseinandersetzung mit (Arbeits-)Migration in die DDR und mit ost-migrantischen Selbstorganisationen eröffnet einen erweiterten Blick auf die DDR und Ostdeutschland als vielschichtigen, transnational verflochtenen Raum. Sie macht deutlich, dass Fragen geschichtskultureller Agency und Zugehörigkeit zentral für das Verständnis einer Migrationsgesellschaft sind.

Betreuung: Prof. Dr. Lale Yildirim

Zur Person