Blinde und sehgeschwächte Menschen in der DDR – Soziale Lagen, Alltag und Selbstadvokation
Fördervolumen: € 174.150 (gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG)
Laufzeit: April 2025 bis April 2028
Das sozialistische Versprechen auf eine bessere Zukunft, soziale Sicherheit, Gleichheit und Solidarität traf in Bezug auf Menschen mit körperlichen, kognitiven oder seelischen Beeinträchtigungen auf besondere Herausforderungen, stellte die Persistenz von Beeinträchtigungen bzw. die Unmöglichkeit diese zu beseitigen doch die sozialistische Utopie infrage. Trotz dieses Spezifikums wurde die Geschichte von Menschen mit Behinderungen in der DDR bislang weniger intensiv erforscht als jene der Bundesrepublik. Insbesondere die Geschichte von blinden und sehgeschwächten Menschen in der DDR stellt bislang ein Forschungsdesiderat dar, wenngleich blinden und sehgeschwächten Menschen eine Sonderstellung in der DDR zugekommen zu sein scheint, verfügten sie doch im Gegensatz zu anderen Betroffenengruppen über einen eigenen Interessenverband in der staatlich organisierten Wohlfahrtsorganisation.
Vor diesem Hintergrund befasst sich das Projekt mit der bislang weitgehend unerforschten Zeitgeschichte blinder und sehgeschwächter Menschen in sozialistischen Gesellschaften und fragt nach den Spezifika des gesellschaftspolitischen und diskursiven Umgangs mit Menschen mit Behinderungen in sozialistischen Staaten. Ziel ist es zu eruieren, wie in der DDR mit körperlicher Differenz umgegangen wurde und wie sich die Lebenslagen sehbehinderter Menschen in Ostdeutschland 1945 entwickelten. Daher fragt das Projekt nach den ideologischen, rechtlichen, institutionellen und ökonomischen Bedingungen unter denen Differenz verhandelt wurde. Zudem wird analysiert, wie diese Rahmenbedingungen die konkreten Alltagswelten und sozialen Lagen der Betroffenen im Wandel der Zeit prägten. Entsprechend der Forderung der Disability History, Menschen mit Behinderungen nicht als Objekte, sondern als Subjekte ihrer Geschichte zu verstehen, soll aus alltagsgeschichtlicher Perspektive rekonstruiert werden, inwieweit die Betroffenen unter den Bedingungen der Diktatur über Handlungsspielräume verfügten, die es ihnen ermöglichten ihre Lebensbedingungen eigen-sinnig zu gestalten.
Mitarbeiterin: Karlotta Lorenzen
