Das Klosterregister und Klosterbuch für Pommern

(Leitung: Prof. Dr. Oliver Auge, Koordination: Dr. Katja Hillebrand, Mitarbeiter: Dr. Andreas Kieseler, Robert Harlaß M.A.)

An der Forschungsstelle Geschichte und kulturelles Erbe der Klöster und Stifte im Ostseeraum bis zur Reformation beginnt ab Oktober 2020 die Arbeit am Projekt Klosterregister und Klosterbuch für Pommern. Das von der Historischen Kommission für Pommern angeregte und auf sieben Jahre angelegte Projekt wird das Leben und Wirken aller stiftischen und klösterlichen Einrichtungen sowie der semireligiosen Institutionen in der historischen Landschaft Pommern beiderseits der Oder in enger Kooperation mit den relevanten deutschen und polnischen sowie dänischen und schwedischen Forschungseinrichtungen umfassend interdisziplinär erarbeiten. Personell besetzt ist das Projekt zunächst mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen sowie einer studentischen und einer wissenschaftlichen Hilfskraft.

Abb.1

Abb. 1: ehemalige Zisterzienserabtei Eldena, Zierblenden an der Westfassade (Foto Detlef Witt)

Das Forschungsprojekt wird in dieser Vollständigkeit erstmals Auskunft über die herausgehobene Bedeutung der monastischen und stiftischen Einrichtungen als Zentren religiösen, politischen, agrarökonomischen und kulturhistorischen Wirkens und Handelns geben. Aufgezeigt werden die engen Verflechtungen dieser Institutionen mit den Ordensniederlassungen im Reich sowie den Anrainerländern im Ostseeraum. Eingebunden in das europaweite Netzwerk der Orden förderten die Niederlassungen nachhaltig die Integration Pommerns in die europäische Geistes- und Sachkultur.

Abb. 2

Abb. 2: Stift Cammin/Kamień Pomorski, Kreuzgang (Foto Marek Ober)

Die Projektarbeit wird alle 64 Klöster, Stifte, Konvente und Kommenden in Vor- und Hinterpommern ‒ ein Gebiet, das heute im Land Mecklenburg-Vorpommern und in den Wojewodschaften der Republik Polen (Westpommern/województwo zachodniopomorskie und Pommern/województwo pomorskie) liegt ‒ erfassen. Der Untersuchungszeitraum reicht von den Anfängen der Klöster und Stifte im 12. Jahrhundert bis zu deren Aufhebung im Zuge der Reformation. Hierzu wird in einem ersten Projektabschnitt, dem Klosterregister für Pommern, von den Mitarbeitern/innen zu jeder Niederlassung ein möglichst auf Vollständigkeit hin angelegtes Literatur-, Quellen-, Denkmal- und Inventarverzeichnis erstellt. Es wird zudem ein Fotoarchiv angelegt, das die gewonnenen Ergebnisse illustriert. Die wissenschaftliche Erarbeitung und Auswertung des Quellen- und Archivbestands, der bestehenden und vergangenen Bau- und Kunstwerke sowie der archäologischen Befunde wird die Grundlage für die Abfassung der Klosterbuchartikel bilden.

Abb. 3

Abb. 3: ehemalige Zisterzienserabtei Kolbatz/Kołbacz, Maßwerkrose an der Westfassade (Foto Marek Ober)

Im zweiten Projektabschnitt, dem Klosterbuch für Pommern, werden die gewonnenen Ergebnisse den Autorinnen und Autoren, die aus den Bereichen Universität, Archivwesen, Archäologie, Denkmalpflege und kompetenter Laienforschung kommen, für die Abfassung der Klosterbuchartikel zur Verfügung gestellt. Aufgabe der Mitarbeiter/innen wird es sein, selbst Artikel zu verfassen, Entwürfe für die thematischen Karten zu den Besitzungen und Einkünften der Einzelniederlassungen zu erstellen und die eingehenden Texte der Autorinnen und Autoren redaktionell zu bearbeiten.

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Abb. 4: ehemalige Zisterzienserinnenabtei Marienfließ/Marianowo, Langhaus der Klosterkirche, Blick nach Osten (Foto Thomas Helms)

Mit diesem Forschungsvorhaben wird ein in der Fachwelt seit Jahren angemahntes Forschungsdesiderat in Angriff genommen. Das Klosterbuch für Pommern wird als Standardwerk wie die bereits in der Fachwelt als unentbehrliches Arbeitsmittel angesehenen Klosterbücher zu Brandenburg, Mecklenburg, Nordrhein, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg, Westfalen sowie Württemberg eine wichtige Grundlage für die weitere monastische, aber auch regionalgeschichtliche Forschung sein. Es wird allen auf diesem Gebiet arbeitenden Kultureinrichtungen auf deutscher und polnischer Seite als unverzichtbares Hilfsmittel zur Aufarbeitung dieses umfassenden Themenbereichs für die interessierte Öffentlichkeit dienen, womit das Handbuch einen wichtigen Beitrag zur Dritten akademischen Mission erfüllt.

Abb. 5

Abb. 5: ehemalige Zisterzienserinnenabtei Bergen auf Rügen, Langhaus der Klosterkirche, Blick nach Osten (Foto Thomas Helms)

Finanziert wird das Forschungsprojekt bislang durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung.

Abb. 6

Abb. 6: ehemalige Zisterzienserabtei Buckow/Bukowo Morskie, Chor der Klosterkirche (Foto Marek Ober)

 

Mediale Resonanz:

  • Pressemitteilung zum Start des Projekts, in der sich die Kultusministerin Bettina Martin, der Parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern Patrick Dahlemann, der Projektleiter Prof. Dr. Oliver Auge, der Leiter des Staatsarchivs Stettin/Szczecin Prof. Dr. Paweł Gut, der Vorsitzende der Historischen Kommission für Pommern Prof. Dr. Haik Thomas Porada und der Leiter des Universitätsarchivs Greifswald Dr. Dirk Alvermann zu dem Projekt äußern und Fragen dazu beantworten.
  • Informationen der Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte Nr. 139 vom 15. Februar 2021 hier
  • Schweriner Volkszeitung vom 16. Februar 2021 hier
  • Ostsee-Zeitung vom 19. Februar 2021 hier
  • Nordkurier vom 19. Februar 2021 hier
  • NDR Fernsehen – Nordmagazin am 19. Februar 2021 hier 
  • IDEA evangelische Presseargentur hier
  • Radiobeitrag von Radio Szczecin hier
  • Mitteilung des Archiwum Państwow hier
  • NDR Podcast im Rahmen der Kirchensendung "Gesegneten Sonntag"/"Gesegneten Feiertag" vom 24.05.2021 hier

 

Veröffentlichungen:

Oliver Auge: Klösterliche Innovationsleistungen im technisch-ökonomischen Bereich, in: Julia Becker/Julia Burkhardt (Hg.): Kreative Impulse und Innovationsleistungen religiöser Gemeinschaften im mittelalterlichen Europa (Klöster als Innovationslabore, Bd. 9), Regensburg 2021, S. 169-182.

Oliver Auge: Verflochten mit der Welt - Zisterzienserinnenklöster des südwestlichen Ostseeraums und ihre Verbindungen zu Landesherrschaft und Landesadel, in: Mittelalterliche Zisterzienserinnenklöster im südwestlichen Ostseeraum. Materielles Gut zwischen Alltag und Spiritualität. Beiträge einer Fachtagung im Dominikanerkloster Prenzlau vom 25.-28. September 2019, hg. v. Felix Biermann, Katrin Frey u. Gudrun Gleba, Wünsdorf 2020 (Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg, 35), S. 248-258.