Rungholt: Times of Rise and Failure (TORF): Interdisziplinäre Forschungen zur Siedlungs- und Umweltgeschichte Nordfrieslands

(Leitung: Prof. Dr. Oliver Auge, Annika Spingler, M.Ed.)

Das interdisziplinäre Forschungdprojekt "Times of Rise and Failure (TORF)" untersucht Aufstieg, Entwicklung und Niedergang mittelalterlicher Siedlungen im nordfriesischen Küstenraum. Im Zentrum steht die Frage, wie menschliche Gesellschaften in einer von Meer, Marsch und Sturmfluten geprägten Umwelt lebten, wirtschafteten und auf extreme Naturereignisse reagierten.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Siedlung Ruungholt, deren Zerstörung durch die Sturmflut von 1362 bis heute als Sinnbild für das Spannungsverhältnis von menschlicher Gestaltungskraft und natürlicher Gefährdung gilt. TORF verfolgt das Ziel, diese Entwicklungen jenseits von Mythen historisch einzuordnen und langfristige Prozesse von Siedlungswachstum, Anpassung und Zusammenbruch sichtbar zu machen.

An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist TORF in der Abteilung für Regionalgeschichte verankert. Hier arbeiten Prof. Dr. Oliver Auge und Annika Spingler (wissenschaftliche Mitarbeiterin) an der historischen Analyse schriftlicher Quellen zur Sozial-, Wirtschafts- und Kirchengeschichte Nordfrieslands. Diese historisch geprägten Erkenntnisse werden im Projekt in engem Austausch mit Forschenden aus anderen Disziplinen zusammengeführt. TORF wird am Geographischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) koordiniert und bringt Forschung aus Archäologie, Geografie, Geologie, Mikrophysik und Mikrobiologie zusammen. Beteiligt sind unter anderem das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA), das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) sowie das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK).

Durch den Vergleich mit späteren Sturmflutereignissen, etwa der Zerstörung der Insel Strand im 1634, eröffnet TORF eine epochenübergreifende Perspektive auf Umweltgefahren, Resilienz und strukturellen Wandel in der norddeutschen Küstenregion. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Regionalgeschichte Schleswig-Holsteins sowie zur historischen Umwelt- und Siedlungsforschung.