Zwischen dynastischer Räson und persönlicher Motivation: Fürstliche Witwer und ihre Handlungsspielräume im spätmittelalterlichen Reich (1250–1550)

(Leitung: Prof. Dr. Oliver Auge, Mitarbeiterin: Laura Potzuweit (M.A.))

Das von der historiographischen Forschung fast vollständig unbeachtete Phänomen des „Witwers im Fürstenstand“ steht im Fokus dieses von der DFG-geförderten Forschungsvorhabens. Beachtung finden dabei ungefähr 100 Fürsten, die im Betrachtungszeitraum mindestens einmal verheiratet waren und nach der Verwitwung für wenigstens zehn Jahre ehelos blieben. Die Frage nach der Motivation, Witwer zu bleiben, konnte dabei persönliche, dynastische, herrschaftliche als auch finanzielle Gründe umfassen. Neben die Fragen nach den Hintergründen tritt gleichermaßen auch die Frage nach den politisch-dynastischen, ökonomischen, verfassungsrechtlichen und repräsentativen Konsequenzen einer längeren Witwerschaft für den fürstlichen Witwer. Vor allem persönliche Dokumente wie Testamente, Chroniken aus dem persönlichen familiären Umfeld und die Korrespondenz bilden hierbei die Quellenbasis. Anhand einzelner, markanter Beispiele wird das Vorhaben schließlich exemplarisch Merkmale, Handlungsmuster und -spielräume des reichsfürstlichen Witwerstandes insgesamt eruieren können. Im Rahmen der Erforschung der fürstlichen Handlungsspielräume wird somit ein Beitrag zum weiteren Verständnis des spätmittelalterlichen Reichsfürstenstandes sowie der persönlichen Motivation als Einflussfaktor für das fürstliche Handeln geleistet. Dabei kann das Projekt dankenswerterweise auf die Vorarbeiten des Greifswalder „Principes“-Projekts unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Spieß zurückgreifen.