Theo Fischer, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Leibnizstraße 8, Raum 118
Telefon: +49 431 880-2299
t-fischer@histosem.uni-kiel.de

Theo Fischer, M.A.

SPRECHSTUNDE 



nach Absprache, Anmeldung per Mail

 

 

BERUFLICHER WERDEGANG 


 

seit Mai 2023
Sprecher des Zentrums für Asiatische und Afrikanische Studien (ZAAS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

seit Oktober 2022
Studienfachberater am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

seit 2022
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit)

 

BISHERIGE UNIVERSITÄRE TÄTIGKEITEN 



2022
Teilnahme am Kiel-Nottingham-Kolloquium zum Thema „Zeitgeist“ an der Universität Nottingham

2020–2022
Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl Frühe Neuzeit im Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

2018
Studentische Hilfskraft in der Japanologie Tübingen (Sekretariat/Bibliothek)

 

AUSBILDUNG 



2019–2022
Master-Studium in den Fächern Geschichte und Politikwissenschaften (Fachergänzung) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Abschluss: Master of Arts)

2016–2017
Auslandsaufenthalt am Tübinger Zentrum für Japanstudien an der Doshisha-Universität Kyoto

2014–2019
Bachelor-Studium im Hauptfach Japanologie und Nebenfach Geschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Abschluss: Bachelor of Arts)

 

FORSCHUNGSINTERESSEN 


 

  • Ideengeschichte der Toleranz
  • Austauschbeziehungen zwischen Tokugawa-Japan und Südostasien im 17. Jahrhundert
  • Shuinsen und Nihonmachi
  • Austauschbeziehungen zwischen Japan und England in der Frühen Neuzeit
  • Japanische Kolonialgeschichte

 

LEHRVERANSTALTUNGEN 


 

  • Zwischen "Entdeckungszeitalter" und Abschottung: Japan als Ort von Kulturtransfer und Transkulturalität im 16. und 17. Jahrhundert - Gruppe A (Wintersemester 23/24 – 2SWS)
  • Zwischen "Entdeckungszeitalter" und Abschottung: Japan als Ort von Kulturtransfer und Transkulturalität im 16. und 17. Jahrhundert - Gruppe B (Wintersemester 23/24 – 2SWS)
  • Geschichte von oben: 3D-Visualisierungen und Virtual Reality in der historischen Forschung (Wintersemester 22/23 – 2SWS)
  • Sengoku Jidai: Das "lange" 16. Jahrhundert in Japan (Wintersemester 22/23 – 2SWS)


 

PROMOTIONSVORHABEN 



Die Verwendung der Begrifflichkeit „Toleranz“ im Kontext geschichtswissenschaftlicher und japanologischer Forschung ist umstritten. Ausgehend von der lateinischen tolerantia, welche die passive Fähigkeit eines Individuums beschreibt, Leid zu ertragen, hat sich der Begriff der Toleranz im Laufe der Jahrhunderte im europäischen Kulturkreis zu einem aktiven und relationalen Handlungsbegriff und schließlich zu einer gesellschaftlich gewünschten Haltung entwickelt. Aufgrund dieser Ambivalenz, welche den Begriff nicht nur als mehrdeutig, sondern auch semantisch und konzeptuell zutiefst europäisch geprägt markiert, wird das Konzept der Toleranz innerhalb der historischen Wissenschaften zurecht kritisch beäugt. Doch ist es nicht zuletzt das Erdulden des Anderen bzw. des Anders-Seins, das der Toleranz zugrunde liegt und welches die erfolgreiche und vor allem gewaltfreie Kommunikation zwischen einzelnen Individuen und Kulturkreisen ermöglicht? Insbesondere Austauschbeziehungen zwischen zwei oder mehreren kulturellen Einheiten sind ohne Formen der Akzeptanz und der Ablehnung – beides Komponenten der Toleranz – nicht zu denken. Dennoch spielt das Konzept der Toleranz in der geschichtswissenschaftlichen Forschung zu kulturellen und wirtschaftlichen Austauschformen eine bisweilen gänzlich vernachlässigte Rolle.

Entsprechend möchte sich das hier vorgestellte Dissertationsprojekt dem Sachverhalt der „Toleranz“ aus globaler Perspektive nähern und verschiedene kulturelle Konzepte dieses „(Er-)Dulden[s] in zwischenmenschlicher Hinsicht“ (Seubert & Bartosch, Toleranz in europäischen Traditionen, 2013, S. 53) beleuchten. Nicht nur sollen hierbei Gemeinsamkeiten zwischen den Konzepten aufgezeigt, sondern durch die Reduzierung dieser auf ihre gemeinsame Grundlage ein theoretischer Zugriff auf das Phänomen geschaffen werden. Dabei soll Toleranz nicht als eine Haltung, sondern als eine prozesshafte Dynamik bestehend aus dem Dreischritt von Konfrontation, Reaktion und Rückwirkung begriffen werden. In jedem Fall wird ein Akteur X mit einem Umstand, einer Person, einer Aussage oder einer Handlung Y konfrontiert. Diese Konfrontation ist stets die Grundbedingung, damit sich die oben genannten Konzepte überhaupt in der realen Welt manifestieren können. Sie schafft den Bezugspunkt Y, auf welchen X in einem zweiten Schritt je nach kulturellem Kontext auf die eine oder andere Weise reagiert. Dieser Akt des Tolerant-Seins manifestiert sich je nach Gelingen oder Misslingen in unterschiedlichen Handlungen, welche sich einerseits auf die unweigerlich bestehende räumliche Dimension des realen Handlungsschauplatzes und die Gesellschaft, andererseits aber auch auf folgenden Konfrontationen von Akteur X auswirken – dies wird als Rückwirkung bezeichnet. Diese Rekonzeptualisierung von Toleranz soll im ersten Teil der Arbeit schließlich zu einem theoretischen Modell und Werkzeug erweitert werden, welches es erlaubt, historische Austauschprozesse durch die Linse einer prozesshaften Dynamik der Toleranz zu betrachten.

Um den Nutzen eines solchen Zugriffs zu demonstrieren, werden im zweiten Teil der Dissertation historische Austauschprozesse zwischen Tokugawa-Japan und der Welt im frühen 17. Jahrhundert mithilfe dieses Toleranzmodells analysiert. Welche Rolle spielte die Toleranzfähigkeit historischer Akteure wie Tokugawa Ieyasu, John Saris, Yamada Nagamasa oder Melchior van Santvoort für das Gelingen oder Misslingen von Handelsabschlüssen und diplomatischen Kontakten? Inwiefern verstanden es kulturelle Mittlerpersönlichkeiten wie Williams Adams diese Toleranzfähigkeit durch latente oder manifeste Akte der Vermittlung zu beeinflussen?

 

PUBLIKATIONEN 



Stromschnellen der Diplomatie: Eine Neubetrachtung von Toleranz in historischen Austauschbeziehungen anhand William Adams und den englisch-japanischen shuinjō-Verhandlungen 1613, in: Oliver Auge, Stefan Brenner u. Christiane Thomsen (Hrsg.): Toleranz! Interdisziplinäre Zugänge zu einem Kernthema der Menschheitsgeschichte [In Vorbereitung].

Zwischen Erinnerung und Tatendrang - Die Rundbriefe der Rendsburger Kolonialschülerinnen, in: Joana Schröder (Hrsg.): Von Rendsburg in die weite Welt: Die Koloniale Frauenschule, Rendsburg 2023, S. 45-47.


 

WISSENSCHAFTLICHE VORTRÄGE UND PRÄSENTATIONEN 



"Eine Neubetrachtung von Toleranz als theoretischer Zugriff für die Geschichtswissenschaft": Vortrag im Rahmen des Kiel-Nottingham-Kolloquiums 2022