Projekte

Zwischen dynastischer Räson und persönlicher Motivation: Fürstliche Witwer und ihre Handlungsspielräume im spätmittelalterlichen Reich (1250–1550)

(Leitung: Prof. Dr. Oliver Auge, Mitarbeiterin: Laura Potzuweit (M.A.))

Das von der historiographischen Forschung fast vollständig unbeachtete Phänomen des „Witwers im Fürstenstand“ steht im Fokus dieses von der DFG-geförderten Forschungsvorhabens. Beachtung finden dabei ungefähr 100 Fürsten, die im Betrachtungszeitraum mindestens einmal verheiratet waren und nach der Verwitwung für wenigstens zehn Jahre ehelos blieben. Die Frage nach der Motivation, Witwer zu bleiben, konnte dabei persönliche, dynastische, herrschaftliche als auch finanzielle Gründe umfassen. Neben die Fragen nach den Hintergründen tritt gleichermaßen auch die Frage nach den politisch-dynastischen, ökonomischen, verfassungsrechtlichen und repräsentativen Konsequenzen einer längeren Witwerschaft für den fürstlichen Witwer. Vor allem persönliche Dokumente wie Testamente, Chroniken aus dem persönlichen familiären Umfeld und die Korrespondenz bilden hierbei die Quellenbasis. Anhand einzelner, markanter Beispiele wird das Vorhaben schließlich exemplarisch Merkmale, Handlungsmuster und -spielräume des reichsfürstlichen Witwerstandes insgesamt eruieren können. Im Rahmen der Erforschung der fürstlichen Handlungsspielräume wird somit ein Beitrag zum weiteren Verständnis des spätmittelalterlichen Reichsfürstenstandes sowie der persönlichen Motivation als Einflussfaktor für das fürstliche Handeln geleistet. Dabei kann das Projekt dankenswerterweise auf die Vorarbeiten des Greifswalder „Principes“-Projekts unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Spieß zurückgreifen.

Kieler Matrosenaufstand 1918

(Prof. Dr. Oliver Auge, Knut-Hinrik Kollex (M.A.))

Der "Kieler Matrosenaufstand" vom November 1918 war eines der Ereignisse, durch die sich das Deutsche Kaiserreich zur Republik wandelte. Auch wenn die Bedeutung dieses Aufstandes unterschiedlich rezipiert wurde, ist es in der Geschichtswissenschaft in letzter Zeit um die damaligen Ereignisse in Kiel eher still geworden. Anlässlich des 100. Jubiläums im Jahr 2018 bietet sich die Gelegenheit zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Rolle der "Kieler Matrosen" in der Revolution von 1918. Wurde sonst vor allem die Arbeiter-Bewegung ins Blickfeld genommen, soll nun insbesondere die Rolle der Matrosen untersucht werden. Neben der Klärung ereignisgeschichtlicher Fragen geht es vor allem um den Einfluss der Matrosen auf den politischen Meinungs- und Willensbildungsprozess der Bevölkerung am Beispiel Kiels und Schleswig-Holsteins. Neben einer umfangreichen Auswertung biographischer Quellen vor allem aus Militär- und regionalen Archiven werden Erkenntnisse auch aus einer systematischen Analyse zahlreicher zeitgenössischer Zeitungen gewonnen.

Das Projekt zum "Kieler Matrosenaufstand" wird in Zusammenarbeit mit dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum sowie dem Stadtarchiv Kiel realisiert und von der Stadt Kiel gefördert.

Den Bericht zum wissenschaftlichen Workshop im Vorfeld des 100. Jahrestages der Kieler Novemberereignisse 1918, der im März 2016 in Kiel stattfand, finden Sie hier. H-Soz-U-Kult 

Zwischenpublikation:

  • Auge, Oliver/Tillmann, Doris (Hrsg.): Kiel und die Marine 1865-2015. 150 Jahre gemeinsame Geschichte, Kiel 2017.

Buchreihe Nordelbische Ortsgeschichten (Stadt- und Dorfchroniken)

Herausgeberschaft: Prof. Dr. Oliver Auge

Aus vielen Stadt- und Ortsgeschichten als strukturell-mikrohistorischen Zugriff auf die Geschichte eines größeren Raums lässt sich, gewissermaßen auf einer makrohistorischen Ebene, die Landesgeschichte Schleswig-Holsteins neu erschließen. In dieser Hinsicht ist es ein besonderes Anliegen des Kieler Lehrstuhls für Regionalgeschichte, sich der kompetenten und fundierten Erarbeitung solcher Lokalgeschichten in Zusammenarbeit mit und im Auftrag von interessierten Kommunen des Landes Schleswig-Holstein anzunehmen und zu publizieren.

Die Schriftenreihe Nordelbische Ortsgeschichten erscheint unter der Herausgeberschaft von Prof. Dr. Oliver Auge. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an das Sekretariat. Wir stehen gerne für nähere Auskünfte zur Verfügung.

Aktuelles Ortsgeschichtsprojekt: Kronshagen. Autoren sind Prof. Dr. Oliver Auge, Stefan Brenner (B.A.), Robin Müller (Mag.), Dr. Ulrich Erdmann und Knut Kollex (M.A.). Laufzeit seit Herbst 2018. Voraussichtlicher Projektabschluss April 2021.

 

Die bisher erschienenen Bände finden Sie hier.

 

Kleine Migrationsgeschichte Schleswig-Holsteins

(Prof. Dr. Oliver Auge)

In Buchform sollen die wesentlichen Inhalte einer Vorlesung publiziert werden, die sich intensiv mit der von den Kimbern bis heute reichenden Migration von und nach Schleswig-Holstein befasst. 

Im Wintersemester 2013/14 veranstaltete die Abteilung in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung eine Vorlesungsreihe zu diesem Thema unter dem Titel Einwanderungsland Schleswig-Holstein? Zuwanderung und Integration als regionalhistorisches Thema

Darüber hinaus bietet Prof. Auge im Wintersemester 2016/17 ein Hauptseminar an, das sich mit der schleswig-holsteinischen Migrationsgeschichte beschäftigt. Nähere Informationen dazu finden Sie hier im Vorlesungsverzeichnis.

Übersetzung der Chronica Slavorum des Arnold von Lübeck

(Prof. Dr. Oliver Auge gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Lübke, Greifswald, und Dr. Matthias Hardt, Leipzig)

Die in den ältesten Handschriften als „Historia abbatis Lubicensis“ bezeichnete Chronik Arnolds von Lübeck († 1211/12) gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Reichsgeschichte des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts sowie für die zeitgenössische Geschichte des Ostseeraums. Allerdings steht der aktuelle Bearbeitungs‐ und Erschließungszustand in einem eklatanten Missverhältnis zur Bedeutung und zum Facettenreichtum des Werkes. Weder existiert eine kritische Textedition, die heutigen Ansprüchen genügen würde, noch gibt es eine moderne Übersetzung, die sich etwa im Universitätsbetrieb angemessen und problemlos verwenden ließe. Seit dem Ausgang der 1940er Jahre wurde eine solche neue Übersetzung zwar immer wieder angekündigt, doch kam es nie zu deren Realisierung.

Für die bekannte und verdienstvolle Reihe der Freiherr vom Stein‐Gedächtnisausgabe (FSGA) wird nun am Kieler Lehrstuhl für Regionalgeschichte in Zusammenarbeit mit Sebastian Modrow (Greifswald) eine moderne Übersetzung der Chronik Arnolds von Lübeck erstellt. Für den zugehörigen Kommentar zeichnen sich Prof. Dr. Christian Lübke und Dr. Matthias Hardt (beide GWZO Leipzig) verantwortlich.


Weiterführende Literatur:

Auge, Oliver: Probleme der Übersetzung von Arnolds Chronik: Ein Werkstattbericht, in: Freund, Stephan/Schütte, Bernd (Hgg.): Die Chronik Arnolds von Lübeck. Neue Wege zu ihrem Verständnis (Jenaer Beiträge zur Geschichte, Bd. 10), Frankfurt a.M. u.a. 2008, S. 25‐43.

Hansegeschichte als Regionalgeschichte

(Prof. Dr. Oliver Auge)

In der Forschung der jüngeren Vergangenheit ist die starke Tendenz vorherrschend, die Geschichte der Hanse als Teil der mittelalterlichen (Proto-)Globalisierung zu begreifen. Als methodisches Instrumentarium dient ihr hierbei vornehmlich die Netzwerkforschung, mittels derer sich die ganz Nordeuropa und den Hanseraum umfassenden ökonomischen, politischen und sozialen Netzwerke der Hansekaufleute greifbar machen lassen.
Die Abteilung für Regionalgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verfolgt demgegenüber einen anderen methodischen Weg, der jedoch nicht als dazu gegensätzlich, sondern vielmehr als komplementär zu begreifen ist. Dabei soll die Hanse vordergründig nicht als Teil einer Globalgeschichte, sondern vielmehr als Phänomen der Regionalgeschichte betrachtet werden. Mit dieser Herangehensweise ist nicht nur ein spezieller räumlicher Blickwinkel, sondern auch ein funktionaler Raumbegriff und die damit verbundene Möglichkeit zu neuen Verständniszugängen und Erkenntnissen verbunden.

Einen Probelauf in der regionalgeschichtlichen Hansedeutung unternahm die Abteilung vom 20. bis 24. Februar 2012 in Greifswald, wo sie, großzügig gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zu Essen sowie der Lübecker Possehl-Stiftung, in Kooperation mit dem Alfried Krupp Wissenschaftskolleg eine Winterschule unter dem Leitthema dieses Projekts durchführte. Die Ergebnisse dieser Winterschule wurden im Januar des Jahres 2014 in Form eines Tagungsbandes veröffentlicht.

Literatur:
Auge, Oliver (Hg.): Hansegeschichte als Regionalgeschichte. Beiträge einer internationalen und interdisziplinären Winterschule in Greifswald vom 20. bis 24. Februar 2012 (Kieler Werkstücke, Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 37), Frankfurt a.M. u.a. 2014.
Auge, Oliver/Göllnitz, Martin: Hansegeschichte als Regionalgeschichte: Das Beispiel des Kieler Historikers Wilhelm Koppe (1908–1986), in: Hansische Geschichtsblätter 131 (2013), S. 229-273.

Geschichte des Bistums und des Domstifts Schleswig

(Prof. Dr. Oliver Auge)

Im Rahmen der renommierten Forschungsreihe der Germania Sacra, die von einer eigenen Arbeitsstelle an der Göttinger Akademie der Wissenschaften betreut wird, erfolgt die Erarbeitung und Publizierung der Geschichte des Bistums und des Domstifts Schleswig in vorreformatorischer Zeit.

Abgeschlossene Projekte

Hier finden Sie eine Übersicht der abgeschlossenen Projekte der Abteilung.